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Kurs: Krankenbeobachtung Urinausscheidung, Teil 3 - Physiologie der Niere (2)

Lektion: 1

Seitentitel: Filtration und Rückresorption von Glukose und Aminosäuren

Filtration und Rückresorption von Glukose und Aminosäuren


Der im Nierenkörperchen filtrierte Primärharn enthält Glukose und Aminosäuren. Beim Gesunden werden beide Substanzen zurückresorbiert.


Glukose


Glukose wird ohne Schwierigkeiten in der Bowman-Kapsel mit dem Primärharn abfiltriert. Unter normalen Umständen, also bei normalem Blutzuckerwert und normaler Nierenfunktion, wird Glukose zu 100% direkt im proximalen Tubulus aktiv zurückresorbiert.



Abb. 1: Filtration und Rückresorption von Glukose im Nephron © Andreas Heimann-Heinevetter

Doch was heißt schon normal? Betrachten wir mal die Zuckerkrankheit: Diabetes mellitus. Hierbei ist der Blutzuckerspiegel erhöht und entsprechend wird mehr Glukose in der Bowman-Kapsel filtriert. Ab einem bestimmten Blutzucker-Schwellenwert von 180 mg/dl sind die Resorptionsmechanismen für Glukose im proximalen Tubulus erschöpft. In der Folge wird Glukose mit dem Urin ausgeschieden. Nun ja, und genau das findet sich in dem Namen der Krankheit wieder.


Die Krankheitsbezeichnung Diabetes mellitus ist teilweise griechischen und teilweise lateinischen Ursprungs.



Doch es passiert noch etwas. Der Urin wird nicht nur süß. Die im Primärharn verbleibende Glukose erhöht seine Osmolarität. Entsprechend sinkt die osmotische Druckdifferenz zwischen dem Primärharn und dem die Nierentubuli umgebenden Gewebe. Da diese Druckdifferenz die treibende Kraft für die Rückresorption von Wasser ist, wird bei kleinerer Druckdifferenz weniger Wasser im Tubulussystem zurückresorbiert. Die Urinausscheidung steigt. Die erhöhte Urinausscheidung ist eines der Leitsymptome der Zuckerkrankheit.


Diese Art der vermehrten Urinausscheidung wird auch als „osmotische Diurese” bezeichnet.


Aminosäuren


Im Blutplasma befindliche freie Aminosäuren werden in der Bowman-Kapsel problemlos mit dem Primärharn filtriert.


Die Rückresorption erfolgt im proximalen Tubulus. Dabei handelt es sich um aktive Transportprozesse.


Abb. 2: Filtration und Rückresorption von Aminosäuren im Nephron © Andreas Heimann-Heinevetter

Sie ahnen schon, wie es weitergeht. Natürlich können sich diese Transportkapazitäten für Aminosäuren im proximalen Tubulus erschöpfen, wenn deren Konzentration im Primärharn zu hoch ist.


Durch die Aminosäuren steigt dann die Osmolarität des Primärharns. Im Ergebnis passiert dann das Gleiche wie zuvor beim Anstieg des Zuckergehalts im Urin, eben das die Urinausscheidung ansteigt. Man bezeichnet die durch Aminosäuren verursachte gesteigerte Urinausscheidung als „Aminosäurediurese”. Folgerichtig ist auch diese Art der verstärkten Urinausscheidung eine „osmotische Diurese”.


Übrigens, bei der Recherche zu diesem Thema habe ich einige Quellen gefunden, die darauf hinweisen, dass eine vermehrte Eiweißzufuhr zu einer gesteigerten Urinausscheidung führt.


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