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Frühdefibrillation
In Deutschland sterben ca. 100.000 Menschen pro Jahr am plötzlichen Herztod. Zum Vergleich: Im Straßenverkehr starben 2009 weniger als 4000 Menschen. Häufigste Ursache des plötzlichen Herztodes ist mit 50 bis 80 % (unterschiedliche Quellen) ein Kammerflimmern (seltener Kammerflattern oder eine pulslose, ventrikuläre Tachykardie (Kammertachykardie).

Abb. 9: Frühdefibrillation - EKG bei Kammerflimmern © Andreas Heimann-HeinevetterAlle drei Ursachen haben gemein, dass die Auswurfleistung des Herzens quasi gleich Null ist und damit ein Kreislaufstillstand vorliegt. Zweite wichtige Gemeinsamkeit ist, dass sich diese Zustände häufig durch eine frühzeitige Defibrillation (bei Kammerflimmern) oder Kardioversion (bei ventrikulärer Tachykardie) kurieren lassen. Defibrillation, was ist das?
Bei der normalen Kontraktion des Herzen geht die Erregung vom Sinusknoten aus. Beim Kammerflimmern haben Teile des Herzmuskels plötzlich begonnen, Impulse auszusenden und damit umliegende Muskelzellen oder kleine Bereiche zur Kontraktion zu zwingen. Das Ergebnis ist eine völlig chaotische Kontraktion des Herzmuskels. Sie können sich vorstellen, dass dadurch die Auswurfleistung des Herzens rapide sinkt, was einem Kreislaufstillstand gleichkommt.
Jetzt kommt die Defibrillation ins Spiel. Mit Hilfe zweier großflächiger Elektroden wird über die Haut ein Stromstoß durch den gesamten Herzmuskel geschickt. Hierdurch werden alle Muskelzellen des Herzens gezwungen, sich gleichzeitig zu kontrahieren. Die erregungsbildenden Zellen werden gezwungen, sich zu entladen.
Stellen Sie sich vor, die Zellen haben einen Kinnhaken erhalten und liegen benommen in der Ecke des Boxrings. Die erregungsbildenden Zellen des Sinusknotens sind die ersten, die sich von dem Schlag erholen, der Sinusknoten übernimmt wieder die Kontrolle über den Herzschlag.
Bei der Kardioversion, z.B. bei pulsloser Kammertachykardie, wird der Stromstoß synchronisiert zum vorhandenen Herzschlag abgegeben. Die Stärke des Stromstoßes ist deutlich geringer.
Je früher die oben auf dieser Seite genannten Ursachen eines Kreislaufstillstands mit Hilfe einer Defibrillation behandelt werden, desto höher die Erfolgsaussichten, also Überlebenschancen.

Abb. 11: Automatischer externer Defibrillator (AED) - www.istockphoto.com, AED, Dateinr.: 3019897 © Axel PlessmannUm diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurden automatische Defibrillatoren entwickelt. Diese Defibrillatoren analysieren den Herzrhythmus selbstständig und lösen nur dann einen Stromstoß aus, wenn die entsprechende Rhythmusstörung vorliegt. Diese Defibrillatoren können Laien bedienen. Sie werden zunehmend an öffentlichen Stellen angebracht, um der frühzeitigen Defibrillation eine Chance zu geben. Sie sind an unterschiedlichen Stellen zu finden, z.B. an Flughäfen und in öffentlichen Gebäuden mit viel Publikumsverkehr. Ich habe kürzlich einen im Eingangsbereich meiner Bank entdeckt. Schauen Sie einfach mal in Ihrer Umgebung nach, wo ein AED zu finden ist.

Abb. 12: Hinweisschild „Automatischer externer Defibrillator“ (AED) - www.istockphoto.com, Defibrillator Sign - AED Automated External Defibrillation, Dateinr.: 13408292 © nazdravieInteressant in diesem Zusammenhang ist: Die Bedienung eines AED durch Laien im Rahmen der Ersten Hilfe ist unbedenklich. Wird jedoch ein AED in das betriebliche Notfallkonzept eingebunden, so greift das Medizinproduktegesetz (MPG) sowie die Medizinprodukte-Betreiberverodrnung (MPBetreibV). Im betrieblichen Rahmen muss beispielsweise ein Arzt die Einführung begleiten, und die Mitarbeiter müssen in das Gerät eingewiesen werden.
Wenn Sie gerade diese Seite lesen und als medizinisch-pflegerischer Laie tätig sind: Trauen Sie sich, einen solchen Defibrillator von der Wand zu reißen und tun, was zu tun ist. Sie machen nichts falsch, diese Geräte verhindern, dass Sie etwas falsch machen, sie sprechen sogar mit Ihnen. Wenn Sie einen AED einsetzen, können Sie Leben retten!
Im Rettungsdienst und in Krankenhäusern werden noch andere Defibrillatoren eingesetzt, diese verfügen über weitere Funktionen, wie z.B. über eine differenziertere EKG-Überwachung, besitzen eventuell eine Herzschrittmacherfunktion oder überwachen die Sauerstoffsättigung.

Abb. 12: Defibrillator für den klinischen Einsatz - www.istockphoto.com, Defibrillator, Dateinr.: 6828984 © art-4-artJe früher ein Kammerflimmern defibrilliert wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten!
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