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Reflexinkontinenz


Bei dieser Form der Harninkontinenz geschieht die Blasenentleerung rein reflexartig, d.h. ohne Beteiligung des Gehirns.


An dieser Stelle ein kurzer Exkurs.


Was ist überhaupt ein Reflex?


Der Körper ist schlau. Er versucht Schäden von sich selbst so gut es geht abzuhalten. Normalerweise sind die meisten Reaktionen Ihrer Muskeln vom Willen steuerbar, z.B. wenn Sie den Arm anheben oder die Maus am PC bewegen. Doch es gibt Ausnahmen, und zwar dann, wenn dem Körper Ungemach droht. Hierzu einige Beispiele.


  • Ihren Lidschlag können Sie willentlich steuern. Augen zu! … Augen bitte wieder öffnen. Doch es gibt auch andere Situationen. Beim Radfahren im Frühjahr. Eine kleine Fliege fliegt Ihnen, von den warmen Sonnenstrahlen angetrieben, übermütig ins Auge. Augenblicklich schließt sich Ihr Augenlid, um das Auge vor dem nachfolgenden Fliegenschwarm zu schützen. Diese Reaktion geschieht blitzschnell und lässt sich durch den Willen nicht unterdrücken. Ein mechanischer Reiz der Hornhaut führt zum Lidschluss.

  • Sie stoßen sich am Unterarm. Noch bevor Sie den Schmerz überhaupt realisieren, haben Sie den Arm zurückgezogen und die Hand des anderen Arms auf die schmerzende Stelle gelegt, um sie vor weiteren Beeinträchtigungen zu schützen. Auch das geschieht nicht durch den Willen, sondern es ist ein Reflex.

  • Der Klassiker. Ihre Fingerspitzen landen zufällig auf einer noch heißen Herdplatte. Lange bevor Sie „Autsch” denken können, haben Sie die Hand schon zurückgezogen. Das war natürlich ein Reflex.

  • Sie fallen vornüber, reflexartig bringen Sie ihre Arme nach vorn, um sich abzustützen. Achten Sie einmal darauf, wo sich die Arme bei gestürzten Patienten befinden. Sicher nicht auf dem Rücken gefaltet, sondern eher unter dem Körper liegend.

Die beschriebenen Reflexe laufen ohne Beteiligung des Gehirns ab. Die Reaktion auf einen Reiz erfolgt prompt und autonom, weil es wichtig ist. Das Gehirn könnte beschäftigt sein, schlafen oder gerade nicht erreichbar sein.


Und jetzt sind wir wieder bei der Reflexinkontinenz.


Ablauf der Reflexinkontinenz


Normalerweise sind das Gehirn und die Harnblase in stetem Kontakt. Die Kommunikation läuft über das Rückenmark.


Die Dehnungsrezeptoren geben eine Meldung ans Gehirn: „10% gedehnt, 80 Milliliter Blasenfüllung.”


Das Gehirn antwortet: „Alles o.k.”


Die Dehnungsrezeptoren melden ständig den Dehnungsgrad ans Gehirn. Sie bemerken erst einmal gar nichts. Doch bei einem Dehnungsgrad von ca. 30% (etwa 250 ml) passiert etwas. Das Gehirn entscheidet, es wäre an der Zeit, mal an eine Entleerung der Blase zu denken. Sie denken: „Ich könnte einmal zur Toilette gehen.” Der Füllstand der Blase ist Ihnen also bewusst geworden. Sollten Sie in diesem Moment schlafen, dann werden Sie jetzt noch nicht wach, sondern drehen sich einfach einmal auf die andere Seite.


Die Dehnungsrezeptoren melden natürlich weiter. „Hallo, 40% Blasenfüllung!” Das Gehirn wird deutlicher. Selbst wenn Sie schlafen, werden Sie kurz wach und denken: „So ein Mist, ich muss zur Toilette” … und schlafen wieder ein. Doch ab jetzt ist der Schlaf sehr unruhig.


Erneut melden sich die Dehnungsrezeptoren: „50% Blasenfüllung, das ist langsam nicht mehr lustig!” Das Gehirn übersetzt die Wasserstandsmeldung. Sie werden richtig wach, stehen auf und schlaftrunken gehen Sie zur Toilette und entleeren die Blase.


Wenn Sie das nächste Mal nachts zur Toilette gehen und an diese kleine Geschichte denken, dann ist sicher eines der Lernziele in diesem Kurs erreicht.


Das ist der normale Kommunikationsweg. Er verläuft über die ab- und zuleitenden Nerven der Blase, das Rückenmark und das Gehirn.


Doch was passiert, wenn der Übertragungsweg gestört ist, weil z.B. das Rückenmark die Meldungen der Dehnungsrezeptoren nicht übertragen kann? Oder das Gehirn kann, ebenfalls wegen gestörter Telefonleitungen (Rückenmark), keine Anordnungen mehr an die Blase geben. So eine Übertragungsstörung tritt z.B. bei einer Querschnittslähmung oder einem schweren Bandscheibenvorfall auf.


Abb. 18:  Urinausscheidung - Gestörte Kommunikation zwischen Harnblase und Gehirn, Bandscheibenvorfall, www.istockphoto.com, Herniated (Slipped or Ruptured) Disc, Dateinr.: 17213566 © Medical Art Inc


Was passiert, wenn zwar Meldungen der Dehnungsrezeptoren im Gehirn ankommen, das Gehirn diese aber nicht verarbeiten kann, weil es selbst schwer erkrankt ist, z.B. aufgrund eines Schlaganfalls oder bei einem Menschen im Wachkoma?


Die Harnblase muss sich trotzdem entleeren. Geschieht das nicht, staut sich der Urin und es kommt zu einem Rückstau bis in die Nieren hinein. Schlussendlich käme es zum Nierenversagen. Hier kommt der Reflex ins Spiel.


Ist die Übertragung zwischen Gehirn und Blase gestört oder das Gehirn „ausgeschaltet”, wissen die Dehnungsrezeptoren der Blase natürlich nichts davon und melden munter den Füllungszustand der Blase ans Rückenmark (das Fräulein vom Amt) zur Weiterleitung ans Gehirn.


Die Blase wartet auf eine Antwort, aber es kommt keine. Die Dehnungsrezeptoren in der Blase sind sehr tapfer, sie melden: „80% Füllung … 90% Füllung ...” Keine Antwort vom Gehirn, die Verbindung dorthin ist ja unterbrochen (Querschnittslähmung), doch davon wissen die Dehnungsrezeptoren nichts. „99% Blasenfüllung … liebes Gehirn, ich platze gleich … und das gibt eine Riesensauerei.” Keine Antwort. „110% Blasenfüllung … ich bin noch nicht geplatzt, werde aber langsam sauer!” Und dann ein Knacken in der Leitung. „Guten Tag. Hier ist das Fräulein vom Amt, Rückenmark mein Name. Leider ist die Verbindung zum Gehirn zurzeit unterbrochen. Ich bin jedoch autorisiert, in diesem Fall laut Notfallprotokoll Harnblase § 1325, Absatz 2, dritter Satz, eine unverzügliche Blasenentleerung reflektorisch einzuleiten. Blase, bitte leiten Sie eine Entleerung ein! Vielen Dank.“ Das war ein Reflex!



Abb. 19:  Urinausscheidung - Reflexinkontinenz “Fräulein vom Amt”, www.istockphoto.com, Old Cord Switchboard Operator, Dateinr.: 15396008 © Diane Labombarbe


Wenn das Gehirn die Blasenentleerung nicht mehr steuern kann, übernimmt das Rückenmark (Fräulein vom Amt) diese Funktion. Das Rückenmark ist darin jedoch nicht sonderlich geübt, deshalb ist die Steuerung grob. Außerdem lernt es nicht und weckt z.B. nicht in der Nacht. Das bedeutet: Harninkontinenz.


Licht an. Sie können das Kopfkino jetzt verlassen. Angemerkt sei: Die Darstellung des Reflexes ist rein schematisch, also nicht physiologisch detailliert, aber im Prinzip richtig.


Formen der Reflexinkontinenz


  • Spinale Reflexinkontinenz. Spinal bedeutet, das Rückenmark betreffend. Hierbei ist die Übertragung der Impulse zwischen Gehirn und Blase in einer oder beiden Richtungen gestört oder komplett unterbrochen. Der Patient spürt den Füllstand der Blase nicht, und es gibt keine Möglichkeit, die Blase gewollt zu entleeren. Die Störung liegt im Bereich des Rückenmarks.

    Ursachen sind z.B. eine Querschnittslähmung, ein Bandscheibenvorfall oder eine Missbildung (schreckliches Wort) … eine Fehlbildung (etwas besseres Wort) wie „Spina bifida”, der „offene Rücken”.

  • Supraspinale Reflexinkontinenz. Hierbei liegt die Störung oberhalb (supra) des Rückenmarks, also im Gehirn selbst. Das Gehirn kann die ankommenden Impulse aus der Blase nicht verarbeiten bzw. nicht angemessen darauf antworten. Entsprechend kann es die Blasenentleerung nicht steuern. Ursachen sind schwere Störungen der Gehirnfunktion, z.B. ein Schlaganfall, eine Hirnblutung oder Gewebsuntergang im Verlauf einer „erfolgreichen” Wiederbelebung.

Behandlungsstrategie


Die Behandlung der Reflexinkontinenz erfolgt möglichst durch regelmäßige Einmalkatheterisierung, die vom Patienten selbst durchgeführt wird. Patienten mit einer Querschnittslähmung sind dazu häufig in der Lage. Ist diese Form der Blasenentleerung nicht möglich, kann auf eine Dauerkatheterisierung (suprapubisch) zurückgegriffen werden. Gegebenenfalls werden zusätzlich krampflösende Medikamente eingesetzt, um eine Harnkontinenz (das Gegenteil von Harninkontinenz) zwischen den einzelnen Katheterisierungen sicherzustellen.


Im Zusammenhang mit der Reflexinkontinenz spricht man auch von „neurogener Blase” oder „neurogener Inkontinenz”


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Identnummer: 20091216

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