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Sturzrisiko - Verwendung von Hilfsmitteln


Dass die Verwendung von Hilfsmitteln zur Bewegung bzw. Fortbewegung ein Sturzrisiko beinhalteten überrascht nicht nur, es klingt im ersten Moment absurd. Hilfsmittel haben ja grundsätzlich zum Ziel das Gehen abzusichern und zu erleichtern und nicht den Patienten zum Stürzen zu animieren.


Doch, wenn man genauer hinblickt und sich die einzelnen Hilfsmittel in Ihrer Anwendung genauer anschaut, verwundert es nicht, dass eine gewisse Sturzgefährdung aus der Benutzung des Hilfsmittels selbst resultiert.


Hilfsmittel Gehstock


Abb. 1: Sturzrisiko - Hilfsmittel Gehstock, www.istockphoto.com, Strolling Senior, Dateinr.: 1787840 © Edwin Verin

Viele ältere Menschen verwenden einen Gehstock oder „Spazierstock“ als erstes Hilfsmittel um den Gang, das Gehen abzusichern. Anstatt auf zwei Beinen geht der ältere Mensch nun auf „drei Beinen“. Man möchte meinen, dass daraus geradezu zwangsläufig eine verbesserte Gangsicherheit resultiert. Ich besitze da eine gewisse Skepsis, aus verschiedenen Gründen:


  • Einen Gehstock zu verwenden ist gleichbedeutend mit einem höheren Koordinationsaufwand. Der Patient oder Bewohner hat nicht mehr nur zwei Beine, sondern plötzlich drei Beine zu steuern. Er muss dafür sorgen nicht über die eigenen Beine und nicht über den Gehstock selbst zu stolpern. Aus dem Kurs über die intrinsischen Sturzrisiken wissen Sie, dass gerade ältere Menschen sich auf „das Gehen“ konzentrieren (müssen). Insbesondere bei den ersten Verwendungen eines Gehstocks würde mich deshalb ein erhöhtes Sturzrisiko nicht überraschen.

  • Ein Gehstock muss an den Untergrund angepasst sein. Der klassische Spazierstock mit seiner Metallspitze ist denkbar ungeeignet für Innenräume mit glatten Böden. Entsprechend würde ein solcher Gehstock dem Patienten/Bewohner falsche Sicherheit vorgaukeln.

  • Ein Gehstock kann falsche Sicherheit vermitteln, in dessen Folge der ältere Mensch Wege wählt, die er nicht gehen sollte. Ich denke da an meinen Großvater. Hatte er einem Spazierstock in der Hand, dann ließ er sich im Winter nicht davon abhalten auf einem zugefrorenen Teich herumzuspazieren.

  • Ein weiteres Problem bei der Verwendung eines Gehstocks besteht darin, dass es dem Patienten oder Bewohner manchmal nicht gelingt den Gehstock „aufrecht“ beiseite zu stellen. Im Klartext bedeutet dies, der Gehstock liegt am Boden. Aus Pflegeerfahrung wissen Sie, dass nicht wenige Patienten auf abenteuerliche Weise versuchen den Gehstock wieder aufzuheben.

Hilfsmittel Unterarmgehstützen


Unterarmgehstützen verwenden Sie nicht zum Vergnügen, sondern meist nach einer Verletzung des Beins oder des Fußes. Sie dienen in erster Linie der Entlastung des betroffenen Bereichs. Gleichzeitig wird eine gewisse Mobilität erhalten.



Abb. 2: Sturzrisiko - Hilfsmittel Unterarmgehstützen, www.istockphoto.com, teenager on crutches, Dateinr.: 15650655 © Alexander Raths

Am besten versuchen Sie einmal mit Unterarmgehstützen zu laufen. Sie werden sehen es ist nicht einfach. Dieses Hilfsmittel ist meiner Ansicht nicht geeignet für ältere Menschen mit unsicherem Gang. Selbst junge Menschen haben mit der Benutzung von Unterarmgehstützen gelegentlich Probleme z.B. beim Treppensteigen.


Nordic walking – Gehstöcke als Sportgerät


Nordic walking ist eine Trendsportart, die gern von Menschen mittleren Alters und darüber hinaus genutzt wird um „fit“ zu bleiben. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wahrscheinlich sind nur wenige, die diesen Sport betreiben schon im Vorfeld sturzgefährdet.



Abb. 3: Sturzrisiko - Hilfsmittel Gehstöcke beim Nordic walking, www.istockphoto.com, Nordic walking in summer nature, Dateinr.: 13316157 © Rafal Olkis


Doch die Benutzung der Gehstöcke, der richtige Einsatz kann selbst für weitestgehend Gesunde ein Sturzrisiko beinhalten. Wie ich darauf komme? Nun, weil in meinem Bekanntenkreis jemand gestürzt ist (mit Folgen) auf ebenem Boden, beim Nordic walking mit Gehstöcken.


Hilfsmittel 3-Punkt Gehstock


Ein 3-Punkt Gehstock besitzt einen dreibeinigen Fuß. Wesentlicher Vorteil ist eine erhöhte Standsicherheit des Gehstocks selbst im Vergleich zu einem einfachen Gehstock. Außerdem fällt diese Gehhilfe nicht um und hat eine deutlich bessere Stützfunktion, auch bei seitlich gerichteten Belastungen.



Abb. 4: Sturzrisiko - Hilfsmittel 3-Punkt Gehstock, www.istockphoto.com, Walking Support, Dateinr.: 8737970 © Peter Garbet

Diese Art von Gehstock bietet sicher mehr Unterstützung an als ein normaler Gehstock. Wichtig ist, dass der Patient/Bewohner den richtigen Umgang damit lernt.


Hilfsmittel Rollator


Rollatoren sind das wahrscheinlich am weitesten verbreitete Hilfsmittel zum Laufen nach dem Gehstock. Insbesondere im ambulanten Bereich und in der stationären Altenhilfe werden Sie häufig auf Patienten oder Bewohner treffen, die einen Rollator benutzen.



Abb. 5: Sturzrisiko - Hilfsmittel Rollator, www.istockphoto.com, seniors walking, Dateinr.: 9414288 © Peter Hansen

Rollatoren können für einen älteren Menschen der schlecht laufen kann auf unterschiedliche Weise hilfreich sein:

  • Beim Aufstehen aus dem Bett, vom Stuhl aus dem Sessel.

  • Bei Gehen, sowohl im Haus aber auch im Freien.

  • Als Stütze beim Stehen.

  • Als Sitz zum Verschnaufen bei längeren Wegstrecken.

  • Sofern ein Korb angebracht ist als Transportmittel.

Im Grunde ist ein Rollator, also ein recht universelles und sinnvolles Hilfsmittel. Stellt sich die berechtigte Frage, warum ich in einem Rollator neben seinen ganzen Vorteilen auch ein Sturzrisiko sehe.


Es gibt 3 Gründe:

  1. Ich habe leider schon häufiger einen Rollator ohne Patient gesehen: der Patient lag am Boden, der Rollator stand einige Meter entfernt auf dem Flur.

  2. Der Rollator hat Handbremsen, werden diese nicht richtig bedient so ist er eine tückische Stütze z.B. beim Aufstehen, der Rollator  fährt davon.

  3. Schlecht gepflegte (gereinigte) Rollatoren haben ein Eigenleben, d.h. sie fahren dorthin wo sie es wollen.

Hilfsmittel Rollstuhl



Abb. 6: Sturzrisiko - Hilfsmittel Rollstuhl, www.istockphoto.com, invalid chair isolated on white background with clipping path, Dateinr.: 13151957 © Maksym Bondarchuk


Ein Rollstuhl zur Fortbewegung zu nutzen ist sofern man ihn zu bedienen versteht in der Regel ein sicheres Hilfsmittel. Jedenfalls solange man darin sitzt und keinen abschüssigen Weg ungelenk hinunter rast (kommt vor, das wissen Sie Herr Dr. E). Kritisch ist es, wenn ein Rollstuhl nur zeitweise benutzt wird, also rein als Fortbewegungsmittel. Ich meine damit: klettert ein Patient aus dem Bett in den Rollstuhl, fährt ins Bad, balanciert dann zur Toilette, zurück in den Rollstuhl und ist dazu dement – aus meiner Sicht ist dies dann nur eine Frage der Zeit bis Sie ihn vor dem Rollstuhl liegend finden. Häufigste Ursache für Stürze aus dem Rollstuhl sind nach meiner Erfahrung „wegrollende Rollstühle“ beim Hineinsetzen oder aufstehen. Es wurde vergessen die Bremsen anzuziehen.


Wichtig – meine Bewertung ist subjektiv!


Ich habe Ihnen meine Erfahrungen, meine Eindrücke von Hilfsmitteln geschildert. Das ist sehr subjektiv, keinesfalls wissenschaftlich. Auf der anderen Seite sind meine Anmerkungen nachvollziehbar, plausibel und decken sich vielleicht mit Ihren Beobachtungen. Völlig außen vor bleibt jedoch was passiert wenn ältere Menschen, Bewohner/ Patienten keine Hilfsmittel benutzen. Wahrscheinlich sind sie insgesamt weniger mobil, es könnte durchaus sein, das sie viel häufiger stürzen.


Die Bewertung der Autoren des Expertenstandards „Sturzprophylaxe in der Pflege“


Die Bewertung von Hilfsmitteln durch die Autoren des Expertenstandards, nähert sich der Problematik aus einem anderen Blickwinkel. Grundsätzlich sagen sie, dass Hilfsmittel das Sturzrisiko verringern, jedoch nicht vollständig beseitigen.

Anders als ich, beschreiben sie nicht die möglichen Gefahren die in der Benutzung eines Hilfsmittels liegen. Der Fokus liegt vielmehr bei ihnen darauf, dass die Benutzung eines Hilfsmittels darauf hinweist, dass entsprechende Personen häufiger stürzen. Die Benutzung des Hilfsmittels ist also eine Art Hinweisschild auf dem steht: „Ich bin sturzgefährdet“.

Unterschiedliche Studien (Mahoney 1994, 2000; Kiely 1998; Cattaneo 2002) kommen alle zu dem Ergebnis, dass die Benutzung von Gehhilfen auf ein erhöhtes Sturzrisiko hinweisen.



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Identnummer: 20091216

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