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Einführung - Expertenstandard Sturzprophylaxe - Intrinsische Sturzrisikofaktoren
Ziele des Kurses
Intrinsische und extrinsische Sturzrisikofaktoren
Funktionseinbußen und Funktions-beeinträchtigungen
Beeinträchtigungen der Sehkraft
Beeinträchtigungen von Kognition und Stimmung
Erkrankungen, die zu einer kurzzeitigen Ohnmacht führen können
Inkontinenz und Ausscheidungs-verhalten
Angst vor Stürzen
Sturzvorgeschichte
Zusammenfassung
Fachbegriffe einfach erklärt
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Funktionseinbußen und Funktionsbeeinträchtigungen


Bei der Überschrift „Funktionseinbußen und Funktionsbeeinträchtigungen" denken Sie vielleicht beim ersten Lesen: „Was will er mir denn damit sagen?"

Gemeint sind damit alle negativen körperlichen Veränderungen, die sich auf das Gehen und Stehen auswirken. So sehen es die Autoren des Expertenstandards zur Sturzprophylaxe. Ich würde diese Beschreibung noch etwas weiter fassen und insbesondere das Aufstehen und Hinsetzen mit einbeziehen.

Im Expertenstandard werden die Funktionseinbußen und Funktionsbeeinträchtigungen strukturiert. Ich möchte dieser Struktur folgen, weil dadurch die Überschrift klarer wird.


Probleme mit der Körperbalance bzw. mit dem Gleichgewicht

Ich hatte es Ihnen schon angedroht, dies wird ein „Mitmach-Kurs". Störungen mit dem Gleichgewicht und der Körperbalance können Sie jetzt ausprobieren, um einen Eindruck zu bekommen.


Selbstversuch 1:



Abb. 1: Sturzrisiko - Gleichgewicht © Andreas Heimann-Heinevetter

Sie brauchen einen Helfer, der darauf aufpasst, dass Sie nicht stürzen. Zweckmäßigerweise sollten keine Möbelstücke in der Nähe sein. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, dann schließen Sie bitte die Augen und drehen sich ein paar Mal schnell im Kreis. Sie kennen das Spiel aus Ihrer Kindheit.

Jetzt öffnen Sie bitte die Augen und versuchen, gerade zu gehen. Nun, das, was Sie gerade erfahren, ist eine Störung des Gleichgewichts. Diese Art der Gleichgewichtsstörung hat ihren Ursprung im Gleichgewichtsorgan des Mittelohres.



Abb. 2: Sturzrisiko – Gleichgewichtsorgan (Die Bögen!), Antique Medical Illustration | Osscous Labyrinth, Dateinr.: 6205088  © Mark Strozier

Einen anderen Versuch zur Störung des Gleichgewichts möchte ich erwähnen, aber nicht vorschlagen. Doch wahrscheinlich haben Sie das schon einmal erlebt - Alkoholkonsum. Sie sind auf einer wirklich guten Party gewesen und nachts um zwei hat der Bürgersteig seine Tücken. Nein, der Bürgersteig bewegt sich nicht, doch Sie können ihn nur schwerlich treffen. Er scheint sich zu bewegen. Die Ursache? Sie waren betrunken. In diesem Fall liegt die Störung übrigens nicht im Gleichgewichtsorgan, sondern in einer alkoholbedingten Störung des Kleinhirns.



Abb. 3: Sturzrisiko - Gleichgewicht - Kleinhirn © Andreas Heimann-Heinevetter

Nach diesem Experiment bzw. Gedankenexperiment können Sie sich vorstellen, dass eine Störung des Gleichgewichts bzw. der Körperbalance ein erhebliches Sturzrisiko darstellt, und das schon in Ihrem Alter. Wären Sie 70 Jahre alt,  würden Sie sich strikt weigern, sich von Ihren Enkeln schwindelig drehen zu lassen.


Was sagen die Autoren des Expertenstandards dazu?

Wenn Sie wirklich den Selbstversuch mit dem Schwindeligdrehen durchgeführt haben, müsste Ihnen etwas aufgefallen sein. Schwindel allein lässt Sie nicht stürzen. Sie halten sich fest, stützen sich ab, gleichen den Schwindel irgendwie aus. Genau das ist der Punkt, den die Autoren des Expertenstandards betonen.

Schwindel, Gleichgewichtstörungen allein, bei ansonsten gesunden Menschen (Sie!), erhöht kaum das Sturzrisiko. Es braucht andere Faktoren, die den Schwindel wirksam werden lassen. Eben die Gegenreaktion auf den Schwindel, das heißt ihn zu behindern oder auszuschalten.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass ein stark alkoholisierter Mensch auf dem Heimweg im Graben landet. Er sieht schlechter, seine Wahrnehmung ist verlangsamt, er ist enthemmt.

Und genau das belegen die Autoren des Expertenstandards in ihrer Literaturanalyse mit einigen Studien. Ist jemand gestürzt, hatte es meist mit der Fähigkeit, seitliche Schwankungen auszugleichen, zu tun. Und es kamen andere Faktoren, die einen Sturz förderten, hinzu, wie z.B. die fehlende Kraft in den Beinen oder ein verlangsamtes Reaktionsvermögen.


Gangveränderungen und eingeschränkte Bewegungsfähigkeit

Um Ihnen auch einen Eindruck von diesem Sturzrisiko zu vermitteln, hier ein erneuter Versuch.

Selbstversuch 2:



Abb. 4: Sturzrisiko - Gangveränderung © Andreas Heimann-Heinevetter

Sie brauchen zwei unterschiedliche Schuhe, z.B. einen schweren Winterschuh und einen leichten, flachen Sommerschuh. Sie können auch Schuhe mit unterschiedlich hohem Absatz wählen. An den rechten Fuß kommt der eine, an den linken Fuß der andere Schuh.

Gehen Sie ein wenig umher, Ihr Gang ist nun verändert. Als gesunder Mensch werden Sie jetzt wahrscheinlich nicht stürzen, doch wenn Sie versuchen zu rennen, ein unebener Boden hinzukommt oder Sie schwindelig wären, sähe die Sache schon anders aus.


Gangveränderungen werden in fünf Kategorien unterteilt (Graafmanns 1996, Koski 1996):

  • Gangaufnahmeschwierigkeiten. Die ersten Schritte sind also besonders schwierig. Ein sehr passendes Beispiel hierfür ist ein eingeschlafenes Bein, z.B. beim Kinobesuch. Stehen Sie dann am Ende des Films auf, fehlt nicht viel und Sie liegen auf dem Boden. Das haben Sie sicher schon einmal erlebt.

  • Schrittasymmetrie. Normalerweise sind die Schritte des rechten Beins (bis auf kleine Unterschiede) und die des linken Beins gleich, die Schritte sind symmetrisch. Bei dem oben beschriebenen Versuch sind Ihre Schritte wahrscheinlich asymmetrisch; das linke und rechte Bein haben also eine unterschiedliche Schrittlänge.

Übrigens, eine leichte Schrittasymmetrie (unterschiedliche Schrittlänge der Beine) ist vom Hörensagen physiologischer Natur. Angeblich ist dies der Grund, dass man in der Wüste im Kreis läuft. Ob es stimmt, können Sie ausprobieren, wenn Sie mal am Meer sind. Gehen Sie 500 Schritte möglichst geradeaus, schauen Sie aber nicht zum Horizont oder auf ein entferntes Ziel, sondern - wie ein durstiger Wanderer in der Wüste - nur ein paar Meter vor sich auf den Boden. Nach 500 Schritten drehen Sie sich um und schauen auf Ihre Spuren im Sand. Trifft das Hörensagen zu, müssten Sie einen Bogen in Ihren Fußspuren erkennen.

  • Richtungsabweichungen. Im Grunde wünscht der Patient/Bewohner, geradeaus zu gehen, doch es gelingt ihm nicht. Er hat einen „Drall" nach rechts oder links. Sie kennen das aus Ihrer pflegerischen Erfahrung. Ihr Bewohner hat einen Rollator, der gut funktioniert, doch wenn er damit über den Flur wandelt, zeigt er einen deutlichen Hang zur rechten oder linken Seite des Flures, den er immer wieder korrigieren muss, um sein „Geradeausziel" zu erreichen.

  • Schwankender Gang. Auf eine Möglichkeit des schwankenden Gangs bin ich schon eingegangen, eben den alkoholbedingten. Doch es gibt noch andere Arten des schwankenden Gangs. In meiner Nachbarschaft wohnt ein etwa 30-jähriger Spastiker, der nicht an den Rollstuhl gebunden ist, sondern noch laufen kann. Wenn er geht oder steht, schwankt sein ganzer Körper nach vorn und nach hinten. Mit „rudernden" Armen geling es ihm meist, diese Schwankungen auszugleichen. Stellen Sie sich vor, Sie ständen auf einem großen Ball und versuchten, nicht herunterzufallen. So ähnlich sieht diese Art des schwankenden Gangs (Stand) aus.

  • Ungleichmäßiges Gangbild. Normalerweise ist der Gang des Menschen regelmäßig, er wirkt normal und gleichmäßig. Der Gang ist unauffällig. Ein unregelmäßiges Gangbild hingegen fällt Ihnen auf, wenn z.B. jemand „humpelt".

Ich habe einen Vorschlag für Sie, um mit den Gangveränderungen ein wenig vertrauter zu werden. Keine Sorge - diesmal ist es kein Versuch, der kommt später. Sie können jedoch den Computer ausschalten und einen Abstecher in Ihr Lieblingsstraßencafé unternehmen. Bestellen Sie sich ein Eis oder einen Cappuccino und beobachten Sie den Gang der Passanten. Dann sehen Sie Veränderungen des Gangbildes.

Die Autoren des Expertenstandards erwähnen, dass Veränderungen des Gangbildes auf eine Sturzgefährdung hinweisen.

In diesem Zusammenhang wird auf ein weiteres Phänomen hingewiesen. Das Gehen und sich zu bewegen scheint älteren Menschen sehr viel an Konzentration bzw. Aufmerksamkeit abzuverlangen. Spricht man sie beim Gehen an, so unterbrechen sie den Gang. Dieses Phänomen „Stop walking when talking" ist als Hinweis auf eine Sturzgefährdung zu werten (De Hoon 1993).


Selbstversuch 3:

Sie haben zwei Möglichkeiten, diesen Versuch durchzuführen. Je nach Wunsch wählen Sie die Bewegungseinschränkung.

Die erste Möglichkeit ist es, die Bewegung in Ihren Kniegelenken einzuschränken. Dazu benötigen Sie einen Besenstiel und die Hose, die Sie gerade tragen. Stecken Sie den Besenstiel von der Hüfte an seitlich in Ihr Hosenbein, bis er unten am Knöchel das Hosenbein verlässt.



Abb. 5: Sturzrisiko - eingeschränkte Bewegungsfähigkeit - schlecht bewegliche Gelenke. © Andreas Heimann-Heinevetter

Sie dürfen nun etwas umherlaufen, können auch Treppen hinauf- und hinuntersteigen, aber halten Sie sich am Geländer fest. Sie sollten jetzt jedoch nicht versuchen zu rennen, dann landen Sie mit Sicherheit auf der Nase.

Sie können sich sicherlich ohne Schwierigkeiten vorstellen, dass eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit der Hüft- oder Beingelenke ein Sturzrisikofaktor ist. Und falls Sie Skifahren: Skischuhe schränken die Bewegungsfähigkeit des Fußgelenks extrem ein - deshalb laufen Sie in der Hütte am Hang wie auf Eiern, wenn Sie eine „Heiße Zitrone" bestellen.

Alternativ zu dieser Bewegungseinschränkung können Sie auch ein paar trockene Erbsen in Ihren Schuhen verteilen.

Auch jetzt dürfen Sie etwas herumlaufen. Wahrscheinlich treten Sie vorsichtig auf. Wenn Sie es wirklich ausprobieren wollen, dann dürfen Sie die Treppen hinuntergehen oder etwas rennen. Wenn Sie dabei stürzen - Ihr Pech, Sie wollten es ja ausprobieren.

Auch bei diesem Beispiel stellen die Schmerzen im Bewegungsapparat sicher ein Sturzrisiko dar. Die Bewegung ist weniger flüssig; sie wird aufgrund der Schmerzen abrupt unterbrochen, ggf. finden überschießende Ausgleichsbewegungen statt.

Auf eines dieser Risiken kann man sich einstellen. Treffen zwei Sturzrisiken zusammen (Besenstiel und Erbsen), sieht es schon anders aus. Kommt dann ein dritter Faktor hinzu (stellen Sie sich vor, Sie sind alt, reagieren also etwas langsamer), sieht es nicht mehr gut aus.

Einen dritten wesentlichen Faktor der Bewegungseinschränkung kann ich nicht als Versuch anbieten: die Schwäche der Beinmuskulatur. Ich kann Ihnen jedoch eine Erfahrung schildern, die ich als Heranwachsender durchmachen musste.

Ich hatte über fünf Wochen einen Gips am linken Bein. Das obere Ende befand sich kurz vor der Leiste, das untere Ende kurz über dem Fußgelenk. Gebrochen war nichts, es war ein rein therapeutischer Gips, um mein „Schlatter-Knie" (mal googeln) zu beseitigen. Also, zu Beginn dieser Behandlung konnte ich mich ohne Einschränkung bewegen. Während ich den Gips hatte, bin ich beim Ausführen eines Hundes gelegentlich comicartig vornüber gestürzt (eben mit Gips auf unebenem Boden gelaufen, und dann war es passiert). Das Beeindruckende war jedoch, als der Gips abgenommen wurde. Der Arzt warnte mich, ich solle vorsichtig aufstehen. Mit 14 Jahren war ich schwerhörig für solche Warnungen. Na ja, als ich versuchte, zügig aufzustehen, lag ich ebenso zügig auf dem Boden. Der Grund: Durch den Gips hatte sich die Muskulatur meines linken Beins zurückgebildet, entsprechend knickte es beim Aufstehen komplett ein.

Alte Menschen verbringen zum Überstehen einer schweren Krankheit oft viel Zeit im Bett. Die Muskulatur bildet sich zurück und daraus resultiert eine Schwäche der Beine. Und dies ist wiederum ein Sturzrisiko.


Das waren die Sturzrisiken unter der Überschrift „Gangveränderungen und eingeschränkte Bewegungsfähigkeit". Doch was sagen die Autoren des Expertenstandards inhaltlich zu diesem Thema?

Ältere Menschen sind in der Regel weniger körperlich aktiv, zusätzlich können vorübergehende Erkrankungen zu einer teilweise längeren Bettlägerigkeit führen. Bettlägerigkeit und Immobilität - jede Pflegekraft weiß, dass diese Menschen sturzgefährdet sind.

Genau diesen Eindruck bestätigen die Autoren des Expertenstandards in der Literaturanalyse. In einer Studie von Kiley 1998 wurde festgestellt, dass insbesondere Bewohner von Altenheimen, die weniger aktiv sind, in erhöhtem Maße sturzgefährdet sind. In einer anderen Studie (Graafman 1996) wurde nachgewiesen, dass eine verminderte Muskelkraft für die Streckung der Beine eine erhöhte Sturzgefahr zur Folge hat. In anderen Studien wurde nachgewiesen, dass bei gestürzten älteren Menschen bestimmte Muskelgruppen der Beine zurückgebildet waren.

Bis hierhin ist es eine Bewusstmachung von dem, was man als Pflegekraft ohnehin intuitiv weiß. Jemand, der nach längerer Zeit wieder beginnt zu laufen, ist sturzgefährdet. Und jemand, der schwach auf den Beinen ist und schon beim Aufstehen aus dem Bett einknickt, ist ebenfalls sturzgefährdet!

Ein anderer Aspekt zur Sturzgefährdung ist Pflegenden weniger bekannt bzw. (soweit es mich betrifft) weniger bewusst. Doch im Expertenstandard wird dieser Punkt durchaus betont.

Schon kleine Veränderungen bei Bewegungsabläufen (Verzögerungen, Unsicherheiten, Veränderungen beim Transfer, Drehen oder das Greifen nach Gegenständen) sind ein Hinweis auf ein deutlich erhöhtes Sturzrisiko.

Im Klartext bedeutet das für Sie: Ein Patient oder Bewohner, der am Tisch gelegentlich ein Glas versehentlich umstößt, ist sturzgefährdet.

Nun, das wusste ich zum Beispiel nicht. Der Expertenstandard zur Sturzprophylaxe vermittelt also durchaus sehr viel neues Wissen.


Erkrankungen, die mit veränderter Mobilität, Motorik und Sensibilität einhergehen.

Dass Erkrankungen, die sich auf die Mobilität, Motorik oder die Sensibilität auswirken, ebenfalls Einflüsse auf ein mögliches Sturzrisiko haben, verwundert Sie nicht.

Im Expertenstandard werden bestimmte Erkrankungen oder Symptombilder benannt, die unter bestimmten Umständen zu einer Erhöhung des Sturzrisikos führen.

Ich möchte diese Erkrankungen und Symptombilder einmal mit Ihnen durchgehen. Zuerst beschreibe ich kurz die Erkrankung, anschließend gebe ich eine persönliche Einschätzung ab, und danach lasse ich die Autoren des Expertenstandards zu Wort kommen.


Multiple Sklerose:

Multiple Sklerose ist eine chronische entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems, also des Gehirns und des Rückenmarks. Die Erkrankung verläuft in Schüben.

Ich habe noch keinen Kurs zum Nervensystem geschrieben, doch diejenigen, die aus anderer Quelle das Nervensystem kennen, wissen: Multiple Sklerose ist durch Entzündungen der Markscheiden gekennzeichnet. Für diejenigen, die das Nervensystem nicht kennen: Multiple Sklerose behindert die Weiterleitung von Nervenimpulsen. Multiple Sklerose ist nicht heilbar. Behandlungsziel ist es, dem Patienten möglichst lange eine hohe Lebensqualität zu erhalten.

Symptome der Multiplen Sklerose sind Sensibilitätsstörungen, Sehstörungen, Schmerzen (teilweise plötzlich auftretend) sowie Lähmungen.

Führen Sie sich dieses Symptom-Bild einmal vor Augen: Sie haben Sensibilitätsstörungen, z.B. kribbelt ein Bein, als wäre es eingeschlafen. Außerdem sehen Sie schlecht, hinzu kommen plötzlich auftretende Schmerzen und eventuell noch Lähmungen. Wundert es Sie da, dass Sie sturzgefährdet wären?

Wenn man weiß, was Multiple Sklerose ist - und Sie wissen es jetzt in groben Zügen -, blinkt ein erhöhtes Sturzrisiko geradezu als Warnlämpchen sehr stark auf.

Die Autoren des Expertenstandards haben in der Literaturanalyse (wen wundert es?) eine Studie gefunden, die Ihren und meinen Eindruck in diesem Zusammenhang bestätigt.

Cattaneo (2002) untersuchte in seiner (oder war es eine Frau?) Studie spezifischer die Fragestellung, wann welche Faktoren beim gehfähigen Patienten mit Multipler Sklerose zusammenkommen müssten, damit daraus ein erhöhtes Sturzrisiko resultiert. Im Ergebnis werden drei Faktoren aufgeführt:

  • Balanceeinschränkungen,

  • Einschränkungen der Gehfähigkeit,

  • Benutzung eines Gehstocks,

dazu das Fehlen von Muskelkraft.


Parkinson-Krankheit

Die Parkinson-Krankheit ist eine langsam fortschreitende Erkrankung des Nervensystems. Es kommt zum Absterben von Nervenzellen und zu einem Mangel des Botenstoffs Dopamin in bestimmten Hirnregionen. Die Parkinson-Krankheit wurde früher als Schüttel- oder Zitterlähmung bezeichnet.


Die Parkinson-Krankheit ist durch vier Leitsymptome gekennzeichnet:

  • Rigor. Unter Rigor versteht man eine Muskelstarre. Die Muskeln sind weniger beweglich.

  • Bradykinese bis hin zur Akinese. Unter Bradykinese versteht man verlangsamte Bewegungen. Die Steigerungsform ist die Akinese, also Bewegungslosigkeit.

  • Tremor. Als Tremor bezeichnet man ein Muskelzittern.

  • Haltungsinstabilität

Bei allem, was Sie jetzt schon über Sturzrisiken wissen, können Sie sich gut vorstellen, dass ein Patient mit ausgeprägter Parkinson-Krankheit sturzgefährdet ist. Auch hier haben die Autoren des Expertenstandards die entsprechende Literatur gesichtet und einige Fakten zusammengetragen.

Gray und Hildebrand ermittelten in ihrer Untersuchung (2000), dass eben das Zusammenkommen mehrerer Faktoren, wie die Anlaufschwierigkeiten bei Bewegungen (Rigor und Bradykinese), unwillkürliche Bewegungen (Tremor) und die Haltungsinstabilität, das Sturzrisiko steigern. Wood (2002) zeigt auf, dass die Parkinsonsche Krankheit in Verbindung mit Demenz oder Depression das Sturzrisiko deutlich erhöht.


Schlaganfall (Apoplexie, Apoplex, apoplektischer Insult, Hirnschlag, Hirninfarkt)

Bei einem Schlaganfall handelt es sich um eine plötzlich auftretende Minderdurchblutung im Gehirn. Hierbei kann sowohl der Verschluss eines Blutgefäßes, aber auch eine Blutung im Gehirn Ursache sein.

Je nachdem wie ausgeprägt ein Schlaganfall ist und abhängig von der Lokalisation, können die Symptome und Folgen des Schlaganfalls sehr unterschiedlich sein.

Häufig ist eine mehr oder weniger ausgeprägte Halbseitenlähmung die langfristige Folge des Schlaganfalls. Je nachdem welche Hirnregionen von einem Schlaganfall betroffen sind, können die Folgeschäden große Unterschiede aufweisen. Probleme beim Sprechen oder Verstehen, beim Sehen bzw. Erkennen von Gegenständen oder Schluckstörungen sind nicht selten.

Stellen Sie sich vor, Sie sind halbseitig gelähmt, dies allein würden Sie sicher schon als Sturzrisiko ansehen. Kämen noch weitere Störungen hinzu, z.B. dass Sie Gegenstände nicht erkennen können, würden Sie Ihr Sturzrisiko sicher als hoch einstufen.


Polyneuropathie

Unter einer Polyneuropathie versteht man eine Erkrankung der peripheren Nerven, also der Nerven, die nicht zum Gehirn oder Rückenmark gehören. Die Polyneuropathie ist selten angeboren, viel häufiger ist sie Folge anderer Erkrankungen, wie z.B. eines fortgeschrittenen Diabetes mellitus, schwerer Nierenfunktionsstörungen oder von Alkoholismus.

Die Symptome einer Polyneuropathie sind recht unterschiedlich:

  • Empfindungsstörungen wie „Ameisenlaufen" oder ein Pelzigkeitsgefühl, vor allem im Bereich der Beine.
  • Schmerzen!
  • Wadenkrämpfe, vor allem in der Nacht.
  • Gangunsicherheit
  • Muskelschwäche oder Muskelschwund.

Auch bei diesen Symptomen ist leicht nachvollziehbar, dass sich das Sturzrisiko erhöht.

Auch die Autoren des Expertenstandards erwähnen die Polyneuropathie. Koski (1998) fand Belege dafür, dass die beschriebene Neuropathie, vor allem wenn die unteren Extremitäten betroffen sind, das Sturzrisiko erhöht. Richardson (2002) bestätigte das und fügte einen erhöhten BMI, also Übergewicht, als zusätzliches Risiko hinzu.

Nebengedanke:

Wenn man die Symptome der zuvor genannten Erkrankungen und der folgenden kennt, verwundert es nicht, dass ein erhöhtes Sturzrisiko die Folge ist. Das hätten Sie auch ohne eine Studie gewusst. Trotzdem, diese Studien sind wichtig, denn sie beweisen Ihre Ahnung, eben deshalb sind sie von Bedeutung.


Osteoarthritis

Dies ist eine entzündliche Erkrankung der Gelenke, die vom Knochen ausgeht und auf die Gelenke übergreift. Landläufig versteht man darunter einen Verschleiß der Gelenke, insbesondere der Hüftgelenke (Coxarthrose) und des Kniegelenks (Gonarthrose). Beide Gelenke gehören zum Bewegungsapparat.

Das Hauptsymptom der Osteoarthritis sind Schmerzen. Sie können sich vorstellen, dass man mit Schmerzen nicht gut laufen kann. Wer nicht ausreichend läuft, trainiert seine Muskeln nicht. Diese bilden sich dann zurück. Schwache Muskeln verstärken den unsicheren Gang.


Krebserkrankungen, chronische Erkrankungen, schlechter Allgemeinzustand

Die Autoren des Expertenstandards nennen explizit diese Punkte. Ihnen als Pflegekraft ist dies ohnehin klar. Geht es jemandem „schlecht", so gehen Sie allgemein von einem erhöhten Sturzrisiko aus.



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