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Einführung: Atmung, Atemübungen, Einreibungen, Dehnlagerung, Lagerungsdrainagen, Inhalation.
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Atemübungen und Atemgymnastik
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Atemübungen und Atemgymnastik


Aus dem letzten Kurs wissen Sie, dass ein Patient, der eine Bauch- oder Thoraxoperation hatte, pneumoniegefährdet ist. Je nach Umfang der Operation liegt der Patient die meiste Zeit des Tages (und der Nacht natürlich) im Bett. Die Belüftung der Lungen ist schlecht.

Atemübungen haben das Ziel, die Belüftung der Lungen zu verbessern. Was denken Sie, wann ist der richtige Zeitpunkt mit Atemübungen zu beginnen?

Mein Tipp? Wenn möglich ab dem Moment, in dem klar ist, dass operiert wird. Also vor der Operation!

Es ist einleuchtend: Atemübungen sollte man vor einer Gefährdung erlernen, nicht erst dann, wenn man ein Problem hat.



Abb. 1: Atemübungen, www.istockphoto.com, Nurse and senior citizen, Dateinr. 9167411 © Kirby Hamilton

Ich war als Ambulanzleitung tätig, und daher hatte ich mit vielen Patienten zu tun, lange bevor sie operiert wurden. Es war mein Job. Damals habe ich es versäumt, Atemübungen anzustoßen; es wäre einfach gewesen, ein Merkblatt mit Atemübungen zu erstellen.

Heute würde ich diesen Patienten genau dieses Merkblatt in die Hand drücken.


Allgemeine Vorbereitungen zu Atemübungen


Möchten Sie mit Ihren Patienten oder Bewohnern Atemübungen durchführen, so gibt es einige Vorbereitungen, die Sie treffen sollten.

Grundsätzlich: Mit Atemübungen beginnen Sie möglichst nicht erst „in der Not“, d.h., ein Patient, der unter akuter Luftnot leidet, braucht keine Atemübungen, sondern einen Arzt. Kennt hingegen ein Bewohner oder Patient diese Übungen, so wird er besser gegen eine Luftnot gewappnet sein, im günstigen Fall tritt sie nicht mehr auf.

Doch welche Vorbereitungen sollten Sie treffen?


  • Informieren Sie Ihren Patienten oder Bewohner (vielleicht findet sich sogar eine kleine Gruppe) darüber, dass Sie Übungen mit ihm durchführen möchten, die seine Atmung verbessern bzw. „seiner Lunge guttun“.

    Diese Information sollten Sie nicht direkt vor Beginn der Übungen geben, sondern früher, damit sich Ihr Patient darauf einstellen kann.

    Falsch (Methode „Hauruck, der Wald ist grün“): „Herr Müller-Lüdenscheid, so, jetzt haben Sie genug im Bett gelegen, wir machen jetzt mal ein paar Atemübungen, damit Ihre Lunge in Schwung kommt.“

    Besser: „Herr Müller-Lüdenscheid, Sie haben mir erzählt, dass Sie mit der Atmung manchmal Probleme haben. Ich möchte Ihnen morgen nach dem Frühstück, so gegen zehn Uhr, ein paar Übungen zeigen. Wenn Sie die regelmäßig durchführen, geht es Ihrer Lunge besser. Außerdem kann es sogar sein, dass die Luftnot in Zukunft deutlich seltener auftritt und weniger schlimm ist. Ich verrate Ihnen morgen ein paar ganz einfache Tricks, die Ihnen helfen, wenn Sie Luftnot haben. Morgen um zehn? Sind Sie einverstanden?“

    Sagt der Patient: „Nein!“ oder „Das machen wir, wenn ich mal schlecht Luft bekomme“, nun - Sie können ihn nicht zwingen. Aber Sie können ihm sagen: „Wenn Sie Luftnot haben, ist es schwierig, diese Übungen zu machen, und die Luftnot soll ja durch die Übungen verhindert werden.“

    Bitten Sie den Patienten, es sich noch einmal zu überlegen und sagen Sie ihm, dass Sie nach Ihrem Dienst erneut nachfragen.

    Jepp, Sie fragen nach Ihrem (schweren) Dienst nach. Also, wäre ich Ihr Patient, ich wäre schwer beeindruckt. Ich würde denken: „Die Schwester kommt sogar in ihrer Freizeit, um mir das richtige Atmen beizubringen", da kann man nicht „Nein“ sagen.

  • Frische Luft. Würde es Ihnen Spaß machen, in einer verräucherten Eckkneipe oder auf der Bahnhofstoilette Atemübungen zu machen? Sicher nicht.

    Gleiches gilt natürlich auch für Ihren Patienten/ Bewohner. Also lüften Sie das Zimmer, bevor Sie mit den Atemübungen beginnen.

    Lüften bedeutet nicht, das Zimmer mit kalter, sondern mit frischer Luft anzufüllen. Kalte Luft ist für viele Menschen, die an Atemproblemen leiden, zu „reizend“. Sie beginnen zu husten, und das wäre das Ende Ihrer Übungen. Frische, unverbrauchte Luft vermittelt das Gefühl, als wäre da plötzlich ganz viel Sauerstoff, und das wirkt sich positiv aus.

    Übrigens, im Alten- und Pflegeheim, wenn die Jahreszeit und das Wetter es erlauben, können Sie diese Atemübungen eventuell draußen (im Garten, Park oder Innenhof) durchführen. Wahrscheinlich müssen Sie das in Ihrer Freizeit machen (oder Sie haben einen klasse Heimleiter und tolerante Kollegen). Doch auch in der Freizeit macht es sicher Spaß!

  • Lufttemperatur. Ich habe schon etwas dazu gesagt: frisch bedeutet nicht eiskalt. Die Lufttemperatur sollte angenehm sein, so um die zwanzig Grad, nicht kälter.

  • Unterlage. Je nachdem welche Atemübungen Sie durchführen wollen, benötigen Sie eine Unterlage, weil Sie, der Bewohner oder Patient liegen. Bauchatmung zum Beispiel kann man gut im Liegen üben. Im Krankenhaus liegt der Patient dann bei einigen Übungen im Bett. Im Altenheim benötigen Ihre Bewohner bei (liegenden) Übungen im Freien eine ISO-Matte. Hier können Enkelkinder aushelfen, die haben bestimmt eine ISO-Matte zur Hand und leihen sie der Oma oder dem Opa gern aus.

    Grundgedanke: Liegt man unbequem, ist jede Atemübung Unsinn, weil es dann schmerzt. Nicht alle Atemübungen müssen im Liegen durchgeführt werden.

Warnhinweis!


Es kann passieren, dass der Patient/ Bewohner zu gut atmet, also hyperventiliert. Das bedeutet, er atmet zu viel, der verstärkten Atmung steht während der Übung kein entsprechender Bedarf (z.B. körperliche Anstrengung) gegenüber. Ein wichtiges Zeichen ist, dass die Hände oder Füße anfangen zu kribbeln, man das Gefühl hat, schwindelig zu werden. Dann muss der Patient die Atemübung abbrechen. Sagen Sie ihm das vorher!


Atemübung Brustatmung


Bei körperlicher Anstrengung sorgt die Brustatmung für eine verstärkte Belüftung mittlerer und oben gelegener Lungenabschnitte. Die Übung selbst dauert fünf bis zehn Minuten und umfasst anfangs fünf, später bis zu 20 Atemzüge. Nach der Übung wird nicht sofort aufgestanden, sondern man bleibt noch einige Minuten liegen, atmet dabei normal, ruhig und entspannt.

Ich leite Sie jetzt einfach mal durch die Übung, es tut ja keinem weh, wenn Sie einmal richtig durchatmen.


Durchführung:


  • Legen Sie sich entspannt auf eine bequeme Unterlage.

  • Platzieren Sie Ihre Hände mit leicht gespreizten Fingern an die Seiten Ihres Brustkorbs, die kleinen Finger sollten jeweils den Rippenbogen (am Bauch) berühren.


    Abb. 2: Atemübungen Brustatmung, Position der Hände © Andreas Heimann-Heinevetter

  • Atmen Sie jetzt dreimal normal ein und aus.

  • Schließen Sie die Augen. Atmen Sie nun die Luft langsam durch die Nase bei geschlossenem Mund in Ihren Brustkorb ein. Sie spüren jetzt mit Ihren Händen, wie sich der Brustkorb hebt und erweitert. Vielleicht spüren Sie sogar, wie sich Ihr Rücken nach hinten in die Unterlage drückt. Ihre Lungen sind nun mit Luft gefüllt. Ihre Bauchdecke hat sich dabei nicht oder nur sehr wenig bewegt.

  • Halten Sie kurz inne, bis Sie das Gefühl haben: „Jetzt atme ich aus.“

  • Ausgeatmet wird durch den Mund, aber nur sehr langsam. Öffnen Sie die Lippen nur einen kleinen Spalt breit und blasen Sie die Luft durch diesen Spalt, Ihre Wangen wölben sich dabei leicht nach außen.


    Abb. 3: Atemübungen Brustatmung, Lippenbremse © Andreas Heimann-Heinevetter

  • Halten Sie kurz inne, bis Sie das Gefühl haben: „Jetzt atme ich ein.“ Atmen Sie dreimal normal ein und aus. Beginnen Sie dann wieder mit der langsamen Einatmung durch die Nase.

Bei dieser Übung können Sie sich natürlich vorstellen - ganz nach Ihrem Geschmack -, welche Luft Sie einatmen: Nordseeluft, Südseeluft, Waldluft, klare Bergluft, laue Sommernachtluft, Frühlingsluft, herbstliche Waldluft (mit Steinpilzduft). Entschuldigung, ich kann einfach nicht immer ernst bleiben.


Atemübung Bauchatmung


Die Bauchatmung ist eine sehr natürliche entspannte Form der Atmung. Bewusste Bauchatmung wirkt auch in Stresssituationen entspannend. Regelmäßige Bauchatmung regt den Darm an. Bei der Einatmung drückt das Zwerchfell leicht auf den Darm und die Bauchorgane. Dieser rhythmische Wechsel zwischen leichtem Druck und Entspannung führt insgesamt zu einer verbesserten Durchblutung der Bauchorgane.

Sie sollten diese Atemübung mit der gleichen Häufigkeit und Frequenz durchführen wie die schon beschriebene Übung zur Brustatmung.


Durchführung:


  • Legen Sie sich wieder entspannt auf eine bequeme Unterlage.
  • Platzieren Sie Ihre Hände mit leicht gespreizten Fingern auf den Bauch über dem Bauchnabel. Die Spitzen der Daumen berühren jeweils den unteren Rippenbogen. Die Fingerspitzen der Hände berühren sich.


    Abb. 4: Atemübungen Bauchatmung, Position der Hände © Andreas Heimann-Heinevetter

  • Atmen Sie jetzt dreimal normal ein und aus.

  • Schließen Sie (schon wieder) die Augen. Atmen Sie nun die Luft langsam durch die Nase bei geschlossenem Mund in Ihren Unterbauch ein. Sie spüren jetzt mit Ihren Händen, wie sich der Bauch wölbt und erweitert. Ihre Lungen sind nun mit Luft gefüllt. Ihre Fingerspitzen berühren sich nicht mehr.

  • Halten Sie kurz inne, bis Sie das Gefühl haben: „Jetzt atme ich aus.“

  • Ausgeatmet wird durch den Mund, aber nur sehr langsam. Öffnen Sie die Lippen nur einen kleinen Spalt und blasen Sie die Luft durch diesen Spalt, Ihre Wangen wölben sich dabei leicht nach außen.

  • Halten Sie kurz inne, bis Sie das Gefühl haben: „Jetzt atme ich ein.“ Atmen sie dreimal normal ein und aus. Beginnen Sie dann wieder mit der langsamen Einatmung durch die Nase.

Brust- und Bauchatmung sind zwei einfache Übungen, um die Belüftung der Lunge zu verbessern. Beim weitgehend Gesunden steigern diese Übungen allgemein das Wohlbefinden. Ein potenziell gefährdeter Patient profitiert hiervon, da er für eine gute Belüftung der Lungen sorgt und damit Atelektasen vorbeugt.


Bauch- und Brustatmung


Sie können die Bauch- und Brustatmung natürlich kombinieren. Auch hierzu gibt es eine einfache Übung, die Sie am besten im Stehen durchführen.


  • Atmen Sie dreimal normal ein und aus.

  • Greifen Sie mit beiden Händen eine Bauchfalte unterhalb des Rippenbogens. Bei der Einatmung ziehen Sie diese Falte leicht nach vorn. Diesen Griff nennt man Atemreizgriff.


    Abb. 5: Atemübungen Atemreizgriff © Andreas Heimann-Heinevetter

  • Atmen Sie nun langsam ein, bis Sie spüren, dass sich der Bauch nach vorn wölbt. Dann beginnen Sie zusätzlich mit der Brustatmung, bis Sie bemerken, dass sich der obere Brustkorb hebt.

  • Halten Sie nach der Einatmung kurz inne, Ihre Lunge ist wunderbar belüftet.

  • Lösen Sie nun Ihre Hände von der Bauchfalte und atmen Sie, wie zuvor schon beschrieben, langsam aus. Warten Sie einen Moment und atmen Sie dann dreimal normal ein und aus. Danach beginnen Sie wieder von vorn mit dem Atemreizgriff.

Diese Atemübungen müssen Sie einfach ausprobieren. Dabei werden Sie bemerken, dass eine Übung Ihnen mehr zusagt als die andere. Und Ihrem Bewohner oder Patienten ergeht es ebenso.


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Identnummer: 20091216

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