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Einführung: Krankenbeobachtung Atmung, Pflege bei Lungen- und Atemwegs-erkrankungen
Ziele des Kurses
Gefahr für die Atmung
Atemskala nach Bienstein
Leichte Störungen der Atmung, Selbsterfahrung
Gelegentliche Atemnot
Akute bzw. kontinuierliche Atemnot
Notfall akute Dyspnoe
Zusammenfassung
Fachbegriffe einfach erklärt
Bildnachweise, Literatur und Links
Ausblick
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Gefahr für die Atmung

Nicht jeder Patient oder Bewohner ist in gleichem Maße in Bezug auf eine Erkrankung der Atemwege gefährdet. Eine COLD beispielsweise erwarten Sie sicher nicht bei einem 20-Jährigen. Bei einem 65-jährigen Raucher hingegen wundert  es Sie nicht, dass er unter einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung leidet.

Es gibt also auf den ersten Blick gewisse Kriterien, die das Auftreten einer Atmungsstörung begünstigen. Und ebenso scheint es manchmal Personen zu geben, die leichtere Störungen der Atmung, wie z.B. eine Erkältung, geradezu magisch anziehen. Sicher fällt Ihnen im Kollegenkreis jemand ein, der alle Nase lang mit einer fetten Erkältung herumläuft.

Welche Umstände begünstigen das Auftreten von Atmungsstörungen?


Immobilität


Ist ein Patient oder Bewohner immobil, also bettlägerig, so steigt die Gefahr einer Lungenentzündung. Wie kommt es dazu?

Das Lungengewebe mit den Lungenbläschen und den feinen Verästelungen der Bronchien ist nicht starr, sondern beweglich. Dies bedeutet, oben liegende Anteile der Lunge drücken die unten liegenden Lungenbereiche durch ihr Gewicht zusammen. In der Folge werden auch die Lungenbläschen zusammengepresst und füllen sich nicht so gut mit Luft.

Wenn Sie sitzen oder stehen, sind die oberen Bereiche der Lunge besser belüftet als jene direkt über dem Zwerchfell.

Legen Sie sich auf den Rücken, so sind die rückwärtigen Lungenbereiche (die ja dann unten liegen) schlechter belüftet. In Seitenlage sind sie dann wieder besser und die unten liegenden Bereiche schlechter belüftet. Ich denke, das Prinzip ist klar. Beim Gesunden ist dies kein Problem, weil auch im Schlaf häufige Lagewechsel dafür sorgen, dass die besser und schlechter belüfteten Lungenbezirke wechseln. Außerdem bereiten Sie sich auf den Schlaf vor, Sie gähnen und seufzen und sorgen damit vor dem Schlaf noch einmal für eine ordentliche Belüftung der Lungen. Achten Sie mal darauf.

Anders ist die Situation beim bettlägerigen beziehungsweise immobilen Patienten. Bei ihm ist die Atmung allgemein flacher, und die Atembewegungen fallen kleiner aus. Dies bedeutet, die Lunge wird ohnehin schlechter belüftet. Hinzu kommt der oben beschriebene Effekt, dass unten liegende Lungenabschnitte schlechter belüftet werden.

Aufgrund der Schwerkraft müssten unten liegende Lungenanteile besser durchblutet sein als oben liegende.

Das Ergebnis wäre unbefriedigend, wenn es dabei bliebe, dass die oben liegenden gut belüfteten Lungenanteile schlecht durchblutet und die unten liegenden schlecht belüfteten gut durchblutet wären. Doch der Körper hat sich etwas ausgedacht. Sind Lungenabschnitte schlecht belüftet, so kommt es doch aufgrund des niedrigen Sauerstoffgehalts zu einer Engstellung der Lungenarterien und damit zu einer verminderten Durchblutung. Man nennt diesen Effekt den Euler-Liljestrand-Reflex oder -Mechanismus.

Es gibt also einen Zusammenhang zwischen Belüftung (Ventilation) und Durchblutung (Perfusion) der Lunge:

Je schlechter ein Lungenanteil belüftet ist, desto schlechter wird er durchblutet. Je besser ein Lungenanteil belüftet ist, desto besser ist dort die Durchblutung.

Doch zurück zum bettlägerigen Patienten. Durch die flache Atmung und die Kompression unten gelegener Lungenabschnitte kann es zum Kollaps und Verkleben der schlecht belüfteten Alveolen kommen, man spricht dann von Atelektasen. Sekret kann nicht mehr abfließen, und dadurch entsteht ein wunderbarer Nährboden für Krankheitserreger. Da die atelektatischen Lungenabschnitte zusätzlich minder durchblutet sind, ist die lokale Abwehr geschwächt. Eine Lungenentzündung ist häufig die Folge.

Letzter und wichtiger Aspekt: Niemand ist ohne triftigen Grund bettlägerig und immobil, d.h., diese Bewohner oder Patienten sind deutlich vorerkrankt.

Ich denke, es ist deutlich geworden, warum Bettlägerigkeit und Immobilität die Gefahr von Atmungsstörungen „fördern”.

Pflegerisch sollten Sie daran denken, dass die regelmäßige Lagerung des Bettlägerigen nicht nur der Verhinderung eines Druckgeschwürs, sondern ebenso der Atmung dient.


Höheres Lebensalter


Ältere Menschen leiden öfter unter Atmungsstörungen. Das ist nicht verwunderlich, da im höheren Alter oft Vorerkrankungen (der Lunge und/oder des Herzens) die Entwicklung von Atmungsstörungen begünstigen. Ein weiterer Aspekt ist, dass im höheren Lebensalter die Abwehrlage des Körpers insgesamt schwächer wird.

Vom höheren Alter spricht man im Zusammenhang mit der Lunge ab einem Alter von 65 Jahren. Diese Grenze ist jedoch individuell unterschiedlich, da einige Menschen mit 65 schon wirklich alt sind und andere sehr jung erscheinen. Nur der Vollständigkeit halber: Kinder unter einem Jahr sind ebenfalls anfällig für Störungen der Atmung.


Schwere Grunderkrankung


Jeder Patient mit einer schweren Grunderkrankung ist gefährdet, eine Beeinträchtig der Atmung zu erleiden.


Vorerkrankungen der Lunge oder des Herzens


Herz und Lunge gehören zwar zu zwei unterschiedlichen Organsystemen, doch sind sie eng miteinander verknüpft. Die Lunge - der Lungenkreislauf - ist das Bindeglied zwischen rechtem und linkem Herzen. Treten Lungenerkrankungen auf, so hat dies meist direkte Auswirkungen auf die Herzfunktion. Der schon erwähnte Euler-Liljestrand-Reflex kann beispielsweise dazu führen, dass es zu einer Rechtsherzbelastung kommt, weil die Lungenarterien (auf breiter Front) verengt sind, z.B. bei ausgeprägten Atelektasen. Ebenso kann eine Linksherzinsuffizienz zu einem Lungenödem führen und damit die Atmung massiv behindern.


Schluckstörungen


Schluckstörungen, z.B. nach einem erlittenen Schlaganfall, bergen immer das Risiko, dass Nahrung in die Luftröhre gelangt. Zwei wesentliche Probleme tauchen damit auf. Zum einen können Nahrungsbrocken selbst die Atemwege verlegen, zum anderen kann es durch aspirierte Nahrung zu Entzündungen der Lunge kommen.


Abwehrschwäche


Dass eine Abwehrschwäche eine Beeinträchtigung der Atmung begünstigt, ist einfach nachzuvollziehen, da auch ansonsten leicht verlaufende Infekte sich zu schweren Infektionen des Atemtraktes ausweiten können.

Die Abwehrschwäche selbst kann unterschiedlichste Ursachen haben, wie z.B. Tumorerkrankungen, chronische Erkrankungen, hohes Alter, HIV, Medikamentennebenwirkungen und vieles andere mehr.


In der postoperativen Phase bei thorax- und bauchchirurgischen Eingriffen


Nach Operationen im Brust- oder Bauchraum ist die Gefahr von Beeinträchtigungen der Atmung ebenfalls erhöht. Wesentlicher Grund hierbei ist eine Schonatmung oder das Unterdrücken des Hustenstoßes, um Schmerzen zu verhindern. Sie denken vielleicht, in einem Alten- und Pflegeheim würde Sie das nicht betreffen? Weit gefehlt! Der Trend zu ambulanten Operationen und einer verkürzten Verweildauer kann dazu führen, dass ein Bewohner schon nach wenigen Tagen wieder in Ihre Obhut entlassen wird.


Schmerzbedingte Schonatmung


Nicht nur Operationen können zu einer schmerzbedingten Schonatmung führen. Oft unterschätzt werden die Schmerzen bei Rippenfrakturen und vor allem Rippenprellungen. Gerade in der Altenpflege spielen Rippenprellungen eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Ist einer Ihrer Bewohner gestürzt, liegt Ihr Hauptaugenmerk auf den Hüften, dem Kopf und den Armen. Sie sind froh, wenn da offensichtlich nichts gebrochen ist, sondern der Bewohner mit Ihrer Hilfe aufstehen und laufen kann. Sie verständigen den Hausarzt, und seine Frage ist, ob der Bewohner sich etwas „getan hat”. Je nach Ihrer Einschätzung am Telefon wird der Hausarzt eine (Röntgen-) Untersuchung im Krankenhaus anordnen oder den Vorfall weitgehend auf sich beruhen lassen und den Bewohner erst beim nächsten Hausbesuch anschauen.

Ich spiele das Szenario ein wenig weiter. Der Bewohner möchte nach dem Sturz auf dem Zimmer bleiben und abends früher zu Bett gehen. Die ganze Aufregung hat ihn mitgenommen. Als Sie am nächsten Tag zum Spätdienst erscheinen, berichtet der Frühdienst, der Bewohner sei doch noch zum Röntgen gewesen, weil er Schmerzen an der rechten Hüfte und am rechten Brustkorb hatte. Es sei jedoch nichts gebrochen gewesen, der Hausarzt sei über den Befund informiert und werde am nächsten Tag zum Hausbesuch kommen. Der Bewohner werde im Bett bleiben, da er aufgrund der Hüft- und Thoraxschmerzen (Prellung) kaum laufen könne.

Am nächsten Tag … was vermuten Sie? Das zuvor Geschriebene enthält schon die Antwort. Ich vermute, am nächsten Tag geht es dem Bewohner wirklich schlecht. Nun plagen ihn nicht nur Schmerzen, sondern eine beginnende Lungenentzündung. Die Ursache ist die Immobilität (siehe oben) und die flache Schonatmung aufgrund der Schmerzen.

Deshalb denken Sie bei „glimpflich” verlaufenden Stürzen immer an eine gegebenenfalls notwendige Schmerztherapie. Das ist kein Luxus, sondern pure Notwendigkeit, um schmerzbedingte Komplikationen zu verhindern.


Bewusstlosigkeit bzw. eingeschränktes Bewusstsein


Bewusstlose Patienten oder Bewohner mit eingeschränktem Bewusstsein sind natürlich gefährdet für Atmungsstörungen. Hintergrund ist, dass wichtige Schutzreflexe nicht mehr regelgerecht funktionieren und so beispielsweise die Zunge die Atemwege verlegt oder Speichel/Erbrochenes in die Trachea fließen kann.


Verwirrtheit, Desorientiertheit


Es muss nicht soweit kommen, dass ein verwirrter Heimbewohner (84 Jahre) im Winter, nur mit einem Bademantel bekleidet, seine Mutter im Nachbarort besuchen will. Dass es nach einem solchen Ausflug zu einer Beeinträchtigung der Atmung kommen kann, ist augenfällig. Viel geringfügigere Gründe können eine Rolle spielen, z.B. dass ein Bewohner nachts friert, weil er die Bettdecke nicht „managen" kann.


Rauchen



Abb. 1: Rauchen © Andreas Heimann-Heinevetter

Nein, dazu werde ich jetzt nichts weiter ausführen. In den vorangegangenen Kursen wurde hinreichend auf die Gefahren des Rauchens in Bezug auf die Lunge hingewiesen. Vieles davon dürfte Allgemeinbildung sein. Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung informiert Sie auf jeder Zigarettenschachtel.


Atemgefährdende Arbeiten


In bestimmten beruflichen Arbeitsbereichen können lungengefährdende Substanzen wie Quarze, Asbest oder Mehl eingeatmet werden. Diese Stäube begünstigen langfristig eine Schädigung der Lunge. Entsprechend steigert die Arbeit in einem solchen Bereich die Gefahr einer Beeinträchtigung der Atmung.


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Identnummer: 20091216

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