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Einführung: Notfall – Wiederbelebung, Notfallplan
Ziele des Kurses
Geschichte der Reanimation
Notfallplan - warum?
Basismaßnahmen der Wiederbelebung
Frühdefibrillation
Basismaßnahmen der Wiederbelebung mit Defibrillator (ADE)
Erweiterte Maßnahmen der Wiederbelebung
Reanimation im Krankenhaus
Reanimation im Alten- oder Pflegeheim
Reanimation - allein oder im Team
Umgang mit Nervosität und Unsicherheit
Wiederbelebung „ohne“ Beatmung
Tipps und Tricks
Zusammenfassung
Fachbegriffe einfach erklärt
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Reanimation im Krankenhaus


Zuerst mag man vermuten, eine Reanimation im Krankenhaus wäre eine sichere Sache ohne Komplikationen. Jeder, der im Krankenhaus arbeitet und mit Reanimationen zu tun hatte, weiß aus eigener Erfahrung oder Erzählungen von Beteiligten, dass Reanimationen auch im Krankenhaus nicht immer reibungslos ablaufen.


Da diese Problematik in den Kliniken bekannt ist, wurde und wird erheblicher Aufwand betrieben.

  • Krankenhausinterne Routinen werden in Standards und Leitlinien festgeschrieben und gelten damit als verbindliche Handlungsanweisungen.

  • Intensive und wiederholte Schulung der Mitarbeiter (auch von solchen, die nicht direkt in die pflegerische oder medizinische Versorgung der Patienten eingebunden sind, z.B. Verwaltungskräfte aus der Patientenaufnahme).

  • Speziell geschulte Teams zur Wiederbelebung (Schockteam, Rehateam, Notfallteam).

  • Anschaffung von AEDs (automatischer externer Defibrillator) zur Frühdefibrillation mit entsprechender Schulung der Mitarbeiter.

  • Rückschauende, strukturierte Betrachtung von Reanimationen (Evaluation) und gegebenenfalls Anpassung von Notfallplänen und Standards.

Eine recht junge Initiative ist die der „herzsicheren Krankenhäuser“ (Heart Safe Hospitalâ). Hierbei geht es um die konsequente Einbindung der Frühdefibrillation in die Wiederbelebung. Mehrere deutsche Kliniken haben dieses Gütesiegel bereits erhalten. Im Wesentlichen sind vier Kriterien zu erfüllen.

  • Erreichbarkeit von AEDs innerhalb von drei Minuten.

  • Zusätzlich geschultes medizinisches und nicht-medizinisches Personal.

  • Regelmäßige Nachschulungen und Training.

  • Einbindung der AED-Alarmierung in die Notfallpläne der Klinik.

Natürlich hat sich auch das European Resuscitation Council Gedanken gemacht, wie eine Wiederbelebung im Krankenhaus ablaufen sollte, und die nachfolgende Abbildung illustriert dies.


Reanimation, Ablauf Wiederbelebung im Krankenhaus

Abb. 16: Wiederbelebung im Krankenhaus nach den Leitlinien des European Resuscitation Council  © Andreas Heimann-Heinevetter

Das sind die Leitlinien. Doch ich möchte Ihnen einige Hinweise geben.


  • Auch an dieser Stelle sei noch einmal erwähnt, das ein Atemstillstand bzw. Schnappatmung als sichere Zeichen für einen Herz-Kreislauf-Stillstand gelten und damit das Einleiten der Reanimation rechtfertigen. Das Tasten des Pulses an der Halschlagader wird wegen der hohen Fehlerquote (auch bei trainierten Helfern) zur Diagnosstellung "Herz-Kreislauf-Stillstand" nicht mehr empfohlen.

  • Ein wichtiger Punkt hierbei, der nicht direkt erwähnt wird, ist: In einem Krankenhaus haben Sie Hilfsmittel zur Wiederbelebung zur Verfügung, wie z.B. einen Beatmungsbeutel, Sauerstoff, einen Notfallkoffer mit Medikamenten, eine Absauganlage, oder Sie haben einen AED in Reichweite. Um diese Hilfsmittel zum Patienten zu bekommen, müssen Sie den Patienten (wenn Sie allein sind) eventuell kurzzeitig verlassen. Näheres ist sicher in Standards festgelegt, z.B. Alarmierung der Nachbarstation im Nachtdienst.

  • Nicht alle Krankenhäuser haben ein Reanimationsteam. Außerdem verfügen nicht alle Krankenhäuser über AEDs.

  • Im Krankenhaus die Atemwege ohne Handschuhe freizumachen, halte ich persönlich für zumutbar (das gilt nur für mich bei einem normalen Patienten), sofern meine Haut an den Händen intakt ist. Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung hingegen ist eigentlich nicht die Methode fürs Krankenhaus.

  • Im Krankenhaus sind Sie als Pflegekraft eine Fachkraft. Bei der Wiederbelebung kontrollieren Sie den Puls an der Halsschlagader nach 10 Atemzügen (5 Zyklen, also fast 2 Minuten, jetzt sollte wenigstens bereits ein erster Helfer vor Ort sein). Ist ein Puls zu tasten, bedeutet dies, das Herz schlägt wieder.

    Nach meiner Meinung ist dann das Fortführen der Herzmassage kontraproduktiv, also beatmen Sie nur noch. Der Helfer kontrolliert fortlaufend den Puls an der Halsschlagader, um bei Bedarf sofort wieder mit der Herzmassage zu beginnen.

  • Als neuer Mitarbeiter in einem Krankenhaus auf einer Station machen Sie sich mit dem Notfallmanagement vertraut:

    • Wie sind die Standards?
    • Wie wird Alarm ausgelöst?
    • Was ist an Notfallequipment vorhanden (AED, Notfallwagen, Notfallkoffer, Beatmungsbeutel, Sauerstoff, Absaugung, Medikamente, Reanimationsbrett)?
    • Wo ist das Notfallequipment?
    • Gibt es ein Notfallteam, wie lange dauert es normalerweise bis zum Eintreffen?
    • Was ist, wenn ich allein bin (nachts!)?
    • Rufnummern, Notfallknöpfe?
    • Wann, wo, wie kann ich üben?
    • Wie läuft es so ab? Diese Frage zielt auf Erfahrungsberichte ab, halt zu erfahren, wie schwierig etwas ist, wenn es hakt.

Reanimation im Krankenhaus - ich habe da viele Erfahrungen. Was ich mitbekommen habe, ist, dass es für die meisten Schwestern und Pfleger wirklich eine „Ausnahmesituation“ ist, die mit sehr viel Angst und Unsicherheit besetzt ist. Was ich ebenso mitbekommen habe, ist, dass die Bereitschaft zu lernen, zu trainieren zu üben bei Pflegekräften ungeheuer hoch ist, weil Sie wissen, was auf dem Spiel steht. Zu meinen Schulungen kamen die Kollegen und Kolleginnen auch nach dem Nachtdienst, im „Frei“ sogar im Urlaub.


An der Bereitschaft der Pflegekräfte, Reanimation zu lernen, liegt es nicht. Sie sind gewillt und intrinsisch (von innen heraus) motiviert. Es gilt, ihnen Lernangebote zu schaffen. Bei einer Reanimation zu versagen oder zu glauben, versagt zu haben, ist für eine Pflegekraft ein wirkliches Problem. Deshalb halte ich Nachbesprechungen von Reanimationen für sehr sinnvoll. Nicht allein, um Fehler im Ablauf aufzudecken und zu analysieren, sondern insbesondere, um „Frustrane“ (gescheiterte Reanimationen, und das sind die meisten) zu erklären. Sie können alles richtig oder fast richtig gemacht haben - trotzdem verstirbt der Patient, weil leider die Voraussetzungen schlecht waren (z.B., weil der Patient zu spät aufgefunden wurde).


Es gibt Situationen, in denen man keine Chance hat. Habe ich selbst erlebt ... Zimmer 2, Intensivstation. Patientenzustand nach Herzinfarkt (beatmet), Nachtdienst. Nach der Übergabe sitzt man mit der Diensthabenden (in diesem Fall eine Ärztin) noch ein wenig in der Zentrale. Plötzlich gibt ein Monitor Alarm: „Blutdruck Null, Zimmer 2“. Wir gehen ins Zimmer („gehen“, denn der wahrscheinlichste Grund ist: Der Patient hat das Handgelenk bewegt, die arterielle Kanüle (kontinuierliche Blutdrucküberwachung) war abgeknickt, EKG (noch) normal. Im Zimmer ... Handgelenk bewegen, Kanüle spülen, im Halblicht auf den Monitor schauen (wie gesagt, Nachtdienst) ... kein Blutdruck. Nach etwa 30 Sekunden (wir waren sehr schnell) merkten wir: „Da stimmt etwas nicht!!!" Pulstasten: kein Puls (vertraue niemals einem Monitor, wenn es wichtig ist!). 45 Sekunden nach Alarm. Wir haben mit der Reanimation begonnen, das EKG auf dem Monitor begann sich zu verändern (die Kammerkomplexe wurden breiter). Mit aller Kraft reanimiert, konzentriert, unter besten Voraussetzungen. Zwölf Minuten nach Reanimationsbeginn war der Oberarzt (Bereitschaft von zuhause, also kein Blaulicht) vor Ort. Beim Patienten wurde, trotz effizienter Herzmassage, nie ein Blutdruck aufgebaut (Wir hatten eine arterielle Kanüle, wir hätten auch einen Blutdruck von „30/ zu" gesehen). Nach 25 - oder waren es 30 Minuten - haben wir aufgegeben. Danach, später in der Nacht, war uns klar, was geschehen sein musste. Später stellte sich heraus (nach der Obduktion), dass die Aorta, direkt am Übergang vom Herzen, abgerissen war (deshalb trotz Herzmassage „kein Blutdruck oder Puls").


Perfekte Reanimation, kein Erfolg. Das war vor sieben Jahren, und ich kann mich daran erinnern, als wäre es gestern gewesen.


Wir hatten keine Chance! Und das kann auch Ihnen passieren, obwohl Sie alles richtig machen.


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Identnummer: 20091216

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