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Einführung: Notfall – Wiederbelebung, Notfallplan
Ziele des Kurses
Geschichte der Reanimation
Notfallplan - warum?
Basismaßnahmen der Wiederbelebung
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Basismaßnahmen der Wiederbelebung mit Defibrillator (ADE)
Erweiterte Maßnahmen der Wiederbelebung
Reanimation im Krankenhaus
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Reanimation - allein oder im Team
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Wiederbelebung „ohne“ Beatmung
Tipps und Tricks
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Fachbegriffe einfach erklärt
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Geschichte der Reanimation

Man könnte vermuten, bei einem derart wichtigen Thema gäbe es eine Vielzahl geschichtlicher Ereignisse oder Persönlichkeiten, die wesentlichen Einfluss auf die heutige Art der Wiederbelebung genommen hätten.

Doch weit gefehlt. Nach meiner Recherche gibt es recht wenig an Geschichte. Ich trage zusammen, was ich gefunden habe. Hierbei muss ich Folgendes anmerken: Insbesondere in der Zeit vor 1900 schreiben alle Autoren fast wörtlich das Gleiche, so dass ich, was die Richtigkeit eventueller Quellen betrifft, sehr wackelige Füße habe. Trotzdem erhalten Sie einen Eindruck, wie sich die Reanimation entwickelt hat.


Lesen Sie die Seite bis zum Ende, Sie werden feststellen, dass es eine „Sahneschnitte“ ist.


Viele Autoren beginnen mit einem Zitat aus dem Alten Testament, es bezieht sich auf die Zeit um 700 vor Christus:


„Und als Elisa ins Haus kam, siehe, da lag der Knabe tot auf seinem Bett. Und er ging hinein und schloss die Tür hinter sich zu und betete zu dem HERRN und stieg aufs Bett und legte sich auf das Kind und legte seinen Mund auf des Kindes Mund und seine Augen auf dessen Augen und seine Hände auf dessen Hände und breitete sich so über ihn; da wurde des Kindes Leib warm.

Er aber stand wieder auf und ging im Haus einmal hierhin und dahin und stieg wieder aufs Bett und breitete sich über ihn. Da nieste der Knabe sieben Mal; danach tat der Knabe seine Augen auf."

2. Könige 4, 32-35


Hm, beim Lesen denke ich da weniger an Wiederbelebung als vielmehr an Glauben. So gesehen würde ich dieses Bibelzitat nicht als geschichtliches Ereignis in Bezug auf die Geschichte der Reanimation sehen.

Unbestritten ist jedoch, dass sich auch schon zu jener Zeit die Menschen sicher Gedanken darüber machten, wie dem Tod zu entgehen sei.


In der folgenden Zeit passierte in Bezug auf das Thema Wiederbelebung über zwei Jahrtausende angeblich nichts, jedenfalls gab es keine bahnbrechenden Entdeckungen. Dass doch etwas passierte, können Sie in dem Kurs „Einführung in die Anatomie und Physiologie (Grundwissen)“ nachlesen.


1543 (der Blutkreislauf war noch nicht entdeckt) berichtete Andreas Versalius (1514 -1564), der Anatom und Leibarzt von Karl V, von der Beatmung eines Hundes. Öffnete man den Brustkorb eines Hundes, so erholte sich das Herz des Tieres, sobald der Hund mit „Blasbalg und Schilfrohr“ beatmet wurde. Übrigens war Versalius auch der Erste, der ein Kammerflimmern beobachtete.


1744 führte der Arzt William Tossach die erste erfolgreiche Mund-zu-Mund-Beatmung bei einem Patienten (einem Bergmann) durch. Dies dürfte die erste belegte erfolgreiche Wiederbelebung sein. Eine sehr schöne Schilderung seines Vorgehens finden Sie auf der Website der Wiener Zeitung.at. (Schauen Sie unter Bildnachweisen, Literatur und Links nach)


1776 erließ Carl August - er wurde später Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach - eine heute kurios anmutende Anweisung zur Wiederbelebung von Ertrinkenden:


„Hierauf muss man Luft in den Mund blasen, entweder mittels eines Blasebalgs oder, welches besser, auf die Weise, dass ein Mensch, der eine gesunde Lunge hat, seinen Mund auf den Mund des Ertrunkenen einbringt und dazu sich eines abgebrochenen Pfeifenstils oder einer anderen Röhre bedient, bei diesem sowohl des Odems, als auch Tabakrauch aber muss ein anderer mit der einen Hand die Nase des Ertrunkenen zuhalten und mit der anderen über die Brust hin und her streichen und vornehmlich von der Herzgrube nach der Brust reiben und rücken.“


Quelle: wikipedia; ADAC - Geschichte der modernen Notfallmedizin.

So kurios es auf den ersten Blick anmuten mag, auf den zweiten Blick gibt es hier schon Inhalt:

Erstens der Aufruf zur Mund-zu-Mund-Beatmung, zweitens der Einsatz eines Medikaments (Tabakrauch), drittens die Durchführung einer Herzmassage, die zwar nicht sonderlich effektiv ist, aber das Herz soll mit wiederbelebt werden. Der vierte wichtige Gesichtspunkt ist: es wird von zwei Helfern ausgegangen („…aber muss ein anderer…“). Und beide Helfer wissen, was zu tun ist.


1798 veröffentlicht der Arzt Christof-Wilhelm Hufeland die Theorie, das stillstehende Herz durch elektrische Schläge von außen zu reizen und damit wiederzubeleben. Nein, das war noch nicht die Erfindung des Herzschrittmachers, aber gleichwohl ein wichtiger Grundgedanke.


1858 wurde das Vorgehen zur Wiederbelebung beschrieben; es handelte sich um die Methode nach Sylvester. Hierbei wurde der Brustkorb gedehnt (Einatmung) und zusammengepresst (Ausatmung).


Geschichte der Renaimation, Methode Sylvester, Einatmung

Abb. 1: Wiederbelebung, Einatmung nach der Methode Sylvester © Andreas Heimann-Heinevetter


Geschichte der Renaimation, Methode Sylvester, Ausatmung mit Thoraxkompression

Abb. 2: Wiederbelebung, Ausatmung (und Herzmassage) nach der Methode Sylvester (die Arme sollten gestreckt sein) © Andreas Heimann-Heinevetter


Dieses Verfahren wurde in modifizierter Form (Howard-Thomsen-Standard) teilweise bis in die frühen achtziger Jahre des letzen Jahrhunderts gelehrt.


Geschichte der Renaimation, Howard-Thomsen-Standard, Ausatmung und Thoraxkompression

Abb. 3: Wiederbelebung, Ausatmung (und Herzmassage) nach dem Howard-Thomsen-Standard (die Arme sollten gestreckt sein!) © Andreas Heimann-Heinevetter


Geschichte der Renaimation, Howard-Thomsen-Standard, Einatmung

Abb. 4: Wiederbelebung, Einatmung nach dem Howard-Thomsen-Standard, der Brustkorb wird gedehnt © Andreas Heimann-Heinevetter


Oh je, ich stelle gerade mit einigem Erstaunen fest: In meiner Jugend habe ich die astreine Methode „Wiederbelebung nach Sylvester“ noch bei der DLRG gelernt. Nein, ich zähle nicht zu den über Hundertjährigen, es war ca. 1975.


1953 - 1956 entwickeln der deutsche Dr. Holger Hesse (Gründer der Firma Ambu) und der dänische Anästhesist Dr. Henning Ruben den Ambu-Beutel: den Beatmungsbeutel. Den Ambu - oder Rubenbeutel finden Sie in jeder Notaufnahme, auf jeder Krankenhausstation, in jedem OP, in jedem Rettungswagen und mittlerweile in vielen Einrichtungen der stationären Altenpflege.


Geschichte der Renaimation, historischer Ambubeutel von Henning Ruben

Abb. 6: Der historische Ambu-Beutel © Mit freundlicher Genehmigung der Firma Ambu.


Doch die beiden belassen es nicht dabei. Sie entwickeln zusätzlich ein Gerät zu Demonstrations- und Trainingszwecken der Wiederbelebungsmaßnahmen. Hierbei handelt es sich nicht um die erste „Resusci-Anne“ (diese schon bewegende Geschichte kommt gleich)


Geschichte der Renaimation, frühes Demonstrations- und Trainingsgerät zur Wiederbelebung

Abb. 7: Das historische Trainingsgerät der Firma Ambu © Mit freundlicher Genehmigung der Firma Ambu.


1954 beweist der amerikanische Arzt Dr. James Elam, dass die Ausatemluft des Menschen ausreichend Sauerstoff zur Beatmung enthält. James Elam und Peter Safer, den Sie gleich kennen lernen werden, arbeiteten zusammen.


1957 „erfindet“ Dr. Peter Safer, ein amerikanischer Anästhesist österreichischer Herkunft, das sogenannte ABC der Wiederbelebung. Hierdurch wird der Ablauf der Reanimation strukturiert.


A = „Airway“, das Freimachen der Atemwege.

B = „Breathing“, die Beatmung.

C = „Circulation“ ,also die Herzmassage.


Das „C“ geht übrigens nicht auf seine Veröffentlichungen zurück, sondern wurde von anderen angefügt.


Trotzdem ist Safer durchaus als Vater der modernen Reanimation zu bezeichnen. Während seiner Forschung zu A und B wurde er von Kollegen unterstützt. Das Engagement ging soweit, dass Freiwillige sich künstlich in einen Atemstillstand versetzen ließen, um sich anschließend beatmen zu lassen. Nein, das geschah nicht in einem dunklen Keller oder Geheimlabor, sondern z.B. im OP.


1958 gründete Safer die erste Intensivstation in den Vereinigten Staaten.


Doch Safer beschränkte sich nicht auf den klinischen Bereich. Schon vor den Toren der Klinik musste mit der Wiederbelebung begonnen werden. Eines seiner wesentlichen Anliegen war die Schulung medizinischen Personals und die „lebensrettenden Sofortmaßnahmen“ in die Straßen zu tragen. Auf tragische Weise wird er in diesem Punkt bestätigt. Während er an einem medizinischen Kongress in Chicago teilnimmt, erleidet seine elfjährige Tochter zuhause in Pittsburgh einen Asthmaanfall, fällt ins Koma und stirbt (1966). Safer handelt. 1967 gründet er den „Freedom House Enterprise Ambulance Service“, den ersten „Paramedic“, also nichtärztlichen Rettungsdienst in Pittsburgh. Safer selbst schult die „Rettungssanitäter“. Dieses Modell wird zum Vorbild für die gesamte Nation (USA) und wird in vielen anderen Ländern übernommen.


Peter Safer hat viel bewegt!


1958 findet ein glückliches Treffen statt. Peter Safer reist zu einem Kongress nach Norwegen, dort unterhält er sich mit Dr. Björn Lind. Beide stimmen darüber ein, dass man Wiederbelebung trainieren muss. Aber wie? Björn Lind hat eine Idee. Er kennt einen Spielzeugfabrikanten, der unter anderem Puppen (er produzierte auch realistisch aussehende Wunden für das Rote Kreuz) produziert: Asmund Laerdal. Dieser müsste in der Lage sein, eine solche Trainingspuppe herzustellen. Asmund Laerdal war schlicht prädestiniert für diese Aufgabe. Er hatte seinen zweijährigen Sohn Thor einmal beherzt aus dem Wasser gezogen und durch Freimachen der Atemwege letztendlich gerettet. Laerdal entschloss sich, in die USA zu reisen, um mit Safer zu sprechen. Beide verstanden sich von Beginn an sehr gut. Safer sagte später einmal: „Wir waren wie Brüder inspiriert von der gleichen Mission.“


Dieses lebensnahe Trainingsmodell zu konstruieren gestalte sich schwierig. Der Kunststoff musste weich sein (über dieses Wissen verfügte Laerdal), der Brustkorb musste elastisch sein und sich nach der Herzmassage wieder aufrichten können. Andererseits musste er nach einer Beatmung wieder zusammenfallen. Und dazu sollte das Ganze noch hygienisch sein und ansprechend aussehen.


Zwei Jahre dauerte die Entwicklung von „Resusci-Anne“, und eine Entscheidung war zu fällen? Wessen Gesicht sollte sie haben?


Das Gesicht des „Mädchens aus der Seine".


Etwa 1900 wurde die Leiche eines Mädchens aus der Seine (Paris) gezogen. Es gab keine Anzeichen von Gewalt, also vermutete man einen Selbstmord. Und da die Identität nicht geklärt war, wurde eine Totenmaske erstellt. Das Mädchen aus der Seine inspirierte viele Künstler, und es gelangte zu Berühmtheit. Es ranken sich viele Geschichten um unglückliche Liebe um das Mädchen aus der Seine. Europaweit wurden ihre Geschichte und ihr Antlitz bekannt.


Asmund Laerdal entschied sich, Resusci-Anne das Gesicht jenes unbekannten Mädchens zu geben: vom tragischen Tod zum „Kuss des Lebens“.


1960 reiste „Anne“ nach New York und wurde dem amerikanischen Roten Kreuz und Peter Safer vorgestellt.


Das erste Jahr danach verkaufte Laerdal die Puppen zum halben Preis in die USA. Doch dann kam der Durchbruch auf heimischem Boden. 650 „Annes“ wurden von Banken gespendet und an Grundschulen geliefert.


Das soll an Geschichte reichen. Später entwickelten sich die „Fachgesellschaften zur Wiederbelebung“ in den einzelnen Ländern.


Was Sie vor allem aus dieser „Geschichte der Reanimation“ lernen, ist, dass es nur wenige Menschen waren, die viel bewirkten. Und entgegen des Eingangszitats aus dem „Buch der Könige“ ist Wiederbelebung keine alte Behandlungsweise, sondern eine sehr junge Behandlungsform.

Übrigens (so ganz nebenbei, das gehört nicht zu diesem Kurs), während ich diese Seite recherchiert habe, habe ich etwas herausgefunden. Teein und Koffein, die anregenden Substanzen im Tee und Kaffee, sind chemisch exakt gleich. Wussten Sie das? Ich nicht.


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Identnummer: 20091216

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