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Einführung: Professionelles pflegerisches Handeln - der Pflegeberuf
Ziele des Kurses
Pflege ist noch kein Beruf - Geschichte
Pflege von der Berufung zum Beruf
Bildung - lebenslänglich lernen
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Schlüssel-qualifikationen und Kompetenzen einer Pflegekraft
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Pflege von der Berufung zum Beruf


Warum wurde die Pflege überhaupt zu einem Beruf? Während andere Berufe in der Renaissance (1400 -1600) schon auf eine lange berufliche Tradition zurückblickten und sehr klare Ausbildungsvorgaben besaßen, galt dies nicht für die Pflege. Es dauerte fast bis zum Ende der frühen Neuzeit – das heißt mit dem Beginn der Französischen Revolution (1789) -, bis eine erste Krankenpflegeschule bzw. eine erste pflegerische Ausbildung durchgeführt wurde.

Bis zur Renaissance unterlag die Medizin und damit auch die Pflege dem im Mittelalter vorherrschenden christlichen Weltbild: Die Welt unterlag nach diesem Verständnis nicht unveränderlichen Naturgesetzen, sondern dem Lenken Gottes und seiner Heiligen.

Wäre damals die Pflege im heutigen Sinne betrieben worden, hätte sie dem allgemeingültigen Weltbild widersprochen, da sie ja aktiv auf das Leben der Kranken (im positiven Sinne) Einfluss genommen hätte. Demnach war die von Nächstenliebe getragene Pflege des Mittelalters ein Ausdruck des Weltbildes ihrer Zeit.


Dies änderte sich mit der Renaissance. Dem zuvor rein auf Gott bezogenem Weltbild wurde ein auf den Menschen bezogenes entgegengestellt. Wissenschaft und Forschung hatten wieder einen Sinn, da nicht mehr alles in den Händen Gottes lag. Die wissenschaftsfeindliche Zeit des („dunklen“) Mittelalters war beendet.

In der Renaissance und der Folgezeit machte die Medizin deutliche Fortschritte, und der ärztliche Berufsstand wurde gegründet. Es liegt nahe, dass die Pflege bei sich fortentwickelndem medizinischem Handeln nicht zurückstehen durfte, da sonst die Erfolge ärztlichen Handelns durch fehlende oder unsachgemäße Pflege gefährdet würden.


Es kam, wie es kommen musste. 1781 gründete der Heidelberger Professor für Geburtshilfe, Franz Anton May, eine Krankenwärterschule im Land Baden. Die Ausbildung erstreckte sich über drei Monate.


Kleine Anekdote am Rande: Während meines Zivildienstes im Krankenhaus  (vor gut 25 Jahren) passierte es gelegentlich, dass alte Männer mich mit „Wärter” (Krankenwärter) ansprachen.


1836 eröffneten der evangelische Pfarrer Theodor Fliedner und seine Frau Friederike Fliedner in Kaiserswerth eine Diakonissenanstalt. Ziel war es, evangelische Krankenpflegerinnen, Gemeindeschwestern, Kindergärtnerinnen und Heimleiterinnen vorzubilden, bevor sie in die Gemeinden entsandt wurden. Im selben Jahr begann die Ausbildung zur Krankenpflege in Kaiserswerth. Das Besondere an dieser Ausbildung war, dass erstmals eine theoretische und praktische Ausbildung durchgeführt wurde. Neben einer pflegerischen Unterweisung gab es auch eine geistliche Unterweisung, da Fliedner die Pflege als religiös motivierte Aufgabe betrachtete. Die „Diakonissen” selbst genossen in den Krankenhäusern hohes Ansehen.


Man würde Theodor Fliedner und seiner Frau nicht gerecht, würde man ihr Lebenswerk auf die Gründung einer Krankenpflegeschule reduzieren. Er war Gemeindepfarrer, und beide setzten sich sehr für Bildung ein, vor allem für die von Frauen (sie gründeten 1842 eine Schule für Lehrerinnen). Ein weiterer Schwerpunkt war die Betreuung und Resozialisierung von Gefangenen.


Übrigens, die wohl bekannteste Krankenschwester, Florence Nightingale, absolvierte einen Teil ihrer Ausbildung in Kaiserswerth.


Gesellschaftliche Einflüsse, insbesondere die Kriege des 19. Jahrhunderts und damit die notwendige Versorgung von Verletzten in Lazaretten, hatten die Pflege wesentlich geprägt. Die Pflege wurde von den daheim gebliebenen Frauen organisiert. 1863 wird von Henry Dunant das Rote Kreuz gegründet. In der Folge werden zahlreiche Frauen in Schwesternschaften ausgebildet.



Abb. 2: Henry Dunant, www.istockphoto.com,  "Henry Dunant", Dateinr.: 8580972 © Vincent Voigt


Kleiner Exkurs: Wenn ich einen Kurs schreibe, lese ich viel. Einen Teil von dem, was ich so lese, finden Sie auf der Seite „Bildnachweise, Literatur und Links“. Dort liest man über Theodor Fliedner und seiner Frau Friederike Fliedner, dass sie Großes geleistet haben. Florence Nightingale, „The lady with a lamp” (weil sie abends im Lazarett mit einer Lampe umherging, um noch einmal nach ihren Patienten zu schauen), verdient mehr als Achtung, denn sie bereitet einem schon ein wenig Gänsehaut.


Und dann gibt es da noch Henry Dunant, ein Sohn reicher Eltern, der eine Bankausbildung absolviert. In Algerien übernimmt er die Verantwortung über eine Kolonie von Schweizern. Doch so recht will ihm das nicht gelingen. Ihm fehlen wichtige Dokumente. Er macht sich auf nach Italien, um Napoleon III. zu treffen. Unerwartet findet er sich 1859 in der Schlacht von Solferino wieder. 100.000 Soldaten stehen sich gegenüber. Damit hatte er nicht gerechnet. Er vergisst sein Anliegen und beginnt Verletzte zu bergen, organisiert die Pflege und sorgt dafür, dass die letzten Worte eines Sterbenden an die Angehörigen weitergeleitet werden. Zurück in der Schweiz schreibt er seine Erinnerungen auf und schickt sie an die Herrscher in Europa. Das war 1862. Im Jahr 1863 gründet er das „Internationale Komitee für Verwundete“, der Vorläufer des „Internationalen Hilfskomitees vom Roten Kreuz“. Am 13. Oktober 1863 findet eine Konferenz in Genf statt. Dunant kann sein Anliegen verschiedenen Staaten vortragen. Man hört ihm zu! 1864 unterzeichnen zwölf Staaten das „Erste Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten auf dem Feld”. Das ist die „Erste Genfer Konvention”. Von diesem Zeitpunkt an gelten Lazarette, Ambulanzen und Sanitäter mit dem Zeichen des „Roten Kreuzes” als neutral. Viele andere Staaten unterzeichnen später. Übrigens, das Osmanische Reich war einer der ersten Mitunterzeichner der „Ersten Genfer Konvention”. Der „Rote Halbmond” wurde aber erst 1929 anerkannt und damit dem „Roten Kreuz” gleichgestellt. Man denkt auf den ersten Blick: Henry Dunant prägt eine Erfolgsgeschichte. Ja, doch für ihn persönlich vorläufig nicht. 1867 ist er pleite und hat umgerechnet Schulden in Höhe von einer Million Schweizer Franken. Er ist also richtig pleite. Seine Idee hingegen setzt sich durch. Das „Rote Kreuz” ist das Schutzzeichen der Helfer. Fast 20 Jahre schlägt er sich so durch. Doch dann, 1895, spürt ihn der Journalist Georg Baumberger auf und schreibt über ihn. Der Artikel wird überall nachgedruckt. Dunants Leistung wird anerkannt, und er erhält Sympathiebezeugungen aus aller Welt.

1901 erhält er den Friedensnobelpreis! Er ist der erste Friedensnobelpreisträger.



Abb. 3: Rotes Kreuz, www.istockphoto.com, "Red Cross 1963", Dateinr.: 10644111 © Lawrence Long


Doch nun zurück zum Beruf.


Ende des 19. Jahrhunderts arbeiten nicht nur Diakonissen, Ordensschwestern und „Wärter” in Krankenhäusern und Hospitälern, sondern es werden zunehmend sogenannte „freie Schwestern” beschäftigt. Die freien Schwestern arbeiten meist unter schlechteren Bedingungen als die Ordensschwestern oder Diakonissen. Das betraf nicht nur die Bezahlung, sondern auch die Arbeitsbedingungen wie Arbeitsschutz, Urlaub, Schichtlänge und Ähnliches. Sie waren schlicht und einfach Schwestern 2. Klasse, auch in den Augen der Ordensschwestern und Diakonissen.


Und dann lebt in dieser Zeit Agnes Krall, sie ist eine freie Schwester. Sie arbeitet in Berlin und begleitet einen Patienten in die Vereinigten Staaten. Dort lernt sie, dass Pflege auch anders aussehen kann. Nicht nur inhaltlich, sondern auch im Wert, in der Organisation und im Status. Zurück in Deutschland hat Agnes Krall die aktive Pflege aufgegeben und arbeitet bei einer Versicherung. Sie ist aber weiterhin für die Pflege aktiv.

Pflege als Beruf sollte jeder Frau zugänglich sein, und ich denke, sie meinte den anerkannten Beruf (auch wenn man nicht Ordensschwester oder Diakonisse war). 1903 gründet sie die Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands (sowie der Säuglings- und Wohlfahrtspflegerinnen), die BO. Aus ihr ist der DBfK (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe) hervorgegangen. Doch das ist noch nicht alles. Agnes Krall setzte sich für eine mindestens einjährige Ausbildung ein.


1906 werden die „Vorschriften über die staatliche Prüfung von Krankenpflegepersonen“ eingeführt.


Pflege ist Beruf!


Das war ja eine schwierige Geburt. Doch wie ging es weiter? Oder anders gefragt: Welche Rolle spielt die Bildung in der Pflege? Eben die Rolle, die Sie gerade innehaben und praktizieren.


Anmerkung: Die auf dieser Seite kursiv geschriebenen Texte stellen meine persönliche Meinung dar.


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